Die Ham­burg­er Uni­ver­sität ist mit ihren bald 100 Jahren noch rel­a­tiv jung (Jubiläum­s­jahr 2019; s. a. Arbeitsstelle für Uni­ver­sitäts­geschichte); die Geschichte der Musik­wis­senschaft an dieser Uni­ver­sität immer­hin beina­he genau­so alt. Heute ist die Uni­ver­sität Ham­burg mit fünf Pro­fes­suren, 23 wis­senschaftlichen Mitar­bei­t­erIn­nen (Stand Dezem­ber 2016) und zahlre­ichen weit­eren Kol­legIn­nen in Lehre und Ver­wal­tung ein­er der größten Musik­wis­senschaft-Stand­punk­te in Deutsch­land. Er wurde 2013 in zwei eigen­ständi­ge Insti­tute gegliedert: Das Insti­tut für His­torische Musik­wis­senschaft und das Insti­tut für Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft.
Doch aller Anfang ist schw­er. Auch in Ham­burg brauchte es zunächst 30 Jahre bis zur offiziellen Insti­tutsgrün­dung 1949. Die fol­gen­den Beiträge beleucht­en einzelne Sta­tio­nen des lan­gen Weges bis zur Grün­dung sowie weit­ere insti­tu­tionelle Entwick­lun­gen mit ihren Auswirkun­gen auf die hiesige Forschung und Lehre.

1. Wie alles begann — Die Anfänge der Ham­burg­er Musikwissenschaft
2. Hans Joachim Ther­stap­pen und die Ham­burg­er His­torische Musik­wis­senschaft während des „Drit­ten Reichs“
3. Aus EIN mach ZWEI — Teilung der Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musikwissenschaft

 

Wie alles begann — Die Anfänge der Hamburger Musikwissenschaft

Von Katha­ri­na Holz

Der fol­gende Text nimmt Sie mit auf die Entwick­lungsreise der Musik­wis­senschaft in Ham­burg. Diese Reise ver­lief keineswegs ger­adlin­ig. Sie dauerte rund 40 Jahre, bevor sie in der Grün­dung des Musik­wis­senschaftlichen Insti­tuts im Jahr 1949 ein erstes Ziel erre­ichte. Auf dem Weg dor­thin waren ver­schiedene Sta­tio­nen von beson­der­er Bedeu­tung. Begonnen wer­den muss beim Ham­burg­er Kolo­nialin­sti­tut, welch­es bere­its rund 10 Jahre vor der Uni­ver­sitäts­grün­dung 1919 bestand. An diesem Insti­tut ent­stand 1910 das Phonetis­che Lab­o­ra­to­ri­um, wo neben der Sprach­forschung auch Klang­forschung betrieben wurde. Später bein­hal­tete das Lab­o­ra­to­ri­um sog­ar eine sep­a­rate Forschungsabteilung für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft. Seit Uni­ver­sitäts­grün­dung gab es musikalis­che Übun­gen, aus denen schließlich das Uni­ver­sitäts-Musikin­sti­tut her­vorg­ing, welch­es im Jahr 1947 mit der Forschungsabteilung zusam­menge­fasst wurde. Zwei Jahre später, im Jahr 1949 wurde dann das Musik­wis­senschaftliche Insti­tut an der Uni­ver­sität Ham­burg gegrün­det. Diese Sta­tio­nen auf dem Weg zur Insti­tu­tion­al­isierung der Musik­wis­senschaft in Ham­burg wer­den in den näch­sten Abschnit­ten genauer beleuchtet. Kom­men Sie also mit auf die Reise der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft und ent­deck­en Sie, wie alles begann!

Die Zeit vor der Universität in Hamburg: Kolonialinstitut und Allgemeines Vorlesungswesen

Mitte des 18. Jahrhun­derts began­nen im Deutschen Reich Kolonisierungs­be­stre­bun­gen. Den anderen Kolo­nialmächt­en nacheifer­nd, hat­te das Deutsche Reich Anfang des 19. Jahrhun­derts zahlre­iche Kolonien.1 Mit der wach­senden Bedeu­tung der Kolonien wuchs auch der Wun­sch nach ein­er besseren Aus­bil­dung der Kolo­nial­beamten.2 Bern­hard Dern­burg, Staatssekretär des Reich­skolo­nialamts, informierte den dama­li­gen Bürg­er­meis­ter Ham­burgs, Dr. Johann Hein­rich Bur­chard, im April 1907 darüber, „dass es in der Absicht des Reich­es läge, für die kolo­nialen Wis­senschaften einen Lehrstuhl […] mit ordentlichen Pro­fes­suren zu erricht­en.“3 Der Ham­burg­er Eth­nologe Georg Thile­nius ver­han­delte erfol­gre­ich mit Dern­burg, welch­er in einem Schreiben an den Sen­at betonte, Ham­burg sei „der geeignete Platz für die Vor­bil­dung von Pri­vat­per­so­n­en wie Beamten für eine Tätigkeit in den Kolonien.“4

Am 6. April 1908 wurde die Errich­tung eines Kolo­nialin­sti­tuts in Ham­burg vom Sen­at in Übere­in­stim­mung mit der Bürg­er­schaft beschlossen und als Gesetz verkün­det.5 In den fol­gen­den Jahren wur­den im Ham­burg­er Kolo­nialin­sti­tut Kolo­nial­beamte, Kau­fleute, Land­wirte und Mis­sion­are aus­ge­bildet. Auf dem Lehrplan standen neben prax­isori­en­tierten The­men (Tropen­hy­giene, Tierzucht, Segeln) die Lan­des- und Völk­erkunde, Mis­sion­skunde, Natur­wis­senschaften, Geschichte, Rechts- und Staatswis­senschaft sowie Sprachkurse.6 Kurse zum The­ma Musik sucht man auf dem Lehrplan des Kolo­nialin­sti­tuts verge­blich. Den­noch ist es eine wichtige Stufe auf dem Weg zur Insti­tu­tion­al­isierung der Musik­wis­senschaft in Ham­burg. Denn der Afrikanist Pro­fes­sor Carl Mein­hof, der das Sem­i­nar für Kolo­nial­sprachen leit­ete, forderte die Ein­rich­tung ein­er phonetis­chen Forschungsabteilung, um die Sprachen und Laute der kolo­nialen Völk­er bess­er erforschen zu kön­nen. Damit war der Grund­stein für das Phonetis­che Lab­o­ra­to­ri­um gelegt, welch­es 1910 gegrün­det wurde und sein­er­seits als ein Entste­hung­sort der Musik­wis­senschaft in Ham­burg gel­ten kann.7

Gle­ichzeit­ig mit den Kursen des Kolo­nialin­sti­tuts wur­den im Rah­men des All­ge­meinen Vor­lesungswe­sens vere­inzelt Vor­lesun­gen zum The­ma Musik gehal­ten. Doch diese waren inhaltlich sehr begren­zt. In den Jahren 1908–1919 gab es lediglich Vor­lesun­gen zu ver­schiede­nen Werken von Richard Wag­n­er.8 Während des ersten Weltkriegs nah­men die Stu­den­ten- und Dozen­ten­zahlen dann drastisch ab. Schließlich ver­lor das Kolo­nialin­sti­tut nach dem Krieg und der Auflö­sung der Kolonien gän­zlich seine Bedeu­tung. Die verbliebe­nen Lehrver­anstal­tun­gen, Stu­den­ten und Dozen­ten des Kolo­nialin­sti­tuts wur­den in die 1919 gegrün­dete Uni­ver­sität Ham­burgs eingegliedert.9

Das Phonetische Laboratorium
Abbil­dung 1: Giulio Pan­con­cel­li-Calzia bei der Aufze­ich­nung des Kehltons mit dem Kymographen.

Am 1. Okto­ber 1910, nur ein Jahr nach Mein­hofs Ernen­nung zum Pro­fes­sor, nahm das Phonetis­che Lab­o­ra­to­ri­um seine Arbeit unter der Leitung von Dr. Giulio Pan­con­cel­li-Calzia auf (s. Abb. 1).10 Dieser war zuvor Leit­er des Phonetis­chen Kabi­netts in Mar­burg gewe­sen und ver­fügte sowohl über Erfahrung als auch über Tatkraft.11

Im Ham­burg­er Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um wur­den im Fol­gen­den mit diversen Appa­ra­turen Laut­stärken, Laut­for­men, Sprachk­länge und Schallschwingun­gen aufgeze­ich­net. Außer­dem befasste sich das Labor mit den physis­chen Vorgän­gen beim Sprechen. Für Men­schen mit Stimm- oder Sprach­fehlern war eine Stimm- und Sprech­ber­atungsstelle ein­gerichtet.12 Auch musikalis­che The­men, vor allem im Hin­blick auf die überseeis­chen Kolo­nialvölk­er, rück­ten ins Blickfeld. 

Pan­con­cel­li-Calzia selb­st hielt neben seinen Forschungstätigkeit­en zahlre­iche Kurse, beispiel­sweise eine Ein­führung in die all­ge­meine Phonetik, ein phonetis­ches Prak­tikum und eine Übung zum selb­st­ständi­gen phonetis­chen Arbeit­en. Spezielle Berück­sich­ti­gung fan­den dabei die afrikanis­chen Sprachen.13 Ab dem Win­terse­mes­ter 1916/17 unter­stützte Wil­helm Heinitz (s. Beitrag zu Heinitz’ „Etablierung eines neuen Forschungszweiges“) die phonetis­chen Prak­ti­ka, die Pan­con­cel­li-Calzia anbot.14 Heinitz begann als wis­senschaftlich­er Mitar­beit­er im Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um, war ab 1930 als Pri­vat­dozent und ab 1933 als Pro­fes­sor tätig.15 Er beschäftigte sich während sein­er Tätigkeit ver­mehrt und später auss­chließlich mit der Ver­gle­ichen­den Musik­wis­senschaft. Diese unter­sucht Musik, Gesänge und Ton­träger ver­schieden­er Völk­er und Län­der und stellt zu ethno­graphis­chen Zweck­en Ver­gle­iche an.16 Das Phonetis­che Lab­o­ra­to­ri­um ver­fügte so bald über eine eigene Schallplat­ten­samm­lung, welche dem Zweck diente, Sprache und Musik fremder Völk­er zu erforschen.17

Der erste Weltkrieg verän­derte den Arbeit­sall­t­ag des Labors drastisch. Hat­te die kura­tive Behand­lung von Sprach­störun­gen zuvor nur einen gerin­gen Anteil ein­genom­men, so beschäftigten sich Pan­con­cel­li-Calzia und seine Mitar­beit­er nun ver­stärkt mit der Sprach­heil­be­hand­lung kriegs­geschädigter Sol­dat­en.18 1916 ent­stand sog­ar eine Außen­stelle des Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­ums auf dem Gelände eines Ham­burg­er Kranken­haus­es. Dort behan­del­ten Phonetik­er und Ärzte gemein­sam die durch den Krieg verur­sacht­en Sprach‑, Sprech- und Hörstörun­gen.19

Pan­con­cel­li-Calzia selb­st geri­et während des ersten Weltkrieges in den Ver­dacht, ein ital­ienis­ch­er Spi­on zu sein und im Lab­o­ra­to­ri­um „Abhorch­maschi­nen“ zu bauen und zu ver­wen­den.20 In einem Brief an das Prä­sid­i­um der Verkehrstech­nis­chen Prü­fungskom­mis­sion trat Bürg­er­meis­ter Wern­er von Melle für Pan­con­cel­li-Calzia ein und beschrieb ihn als deutschen Unter­tan und Ham­burg­er Staats­beamten, welch­er ent­ge­gen der Vor­würfe kein ital­ienis­ch­er Inge­nieurs-Spi­on, son­dern Philologe sei.21 Dank des Ein­satzes von Wern­er von Melle wurde Pan­con­cel­li-Calzia ent­lastet und leit­ete das Phonetis­che Lab­o­ra­to­ri­um bis 1949. Nach beina­he 40 Jahren Dienst über­gab er die Leitung und seinen Lehrstuhl für Phonetik an seinen Schüler Dr. Otto von Essen.22

Forschungsabteilung für Vergleichende Musikwissenschaft

Im Okto­ber 1934 stellte der Leit­er des Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­ums Pan­con­cel­li-Calzia bei der Lan­desun­ter­richts­be­hörde den Antrag, das Sem­i­nar für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft offiziell zu verselb­st­ständi­gen.23 Dem Antrag wurde entsprochen; die „Forschungsabteilung für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft“ unter der Leitung von dem mit­tler­weile habil­i­tierten Heinitz wurde ein­gerichtet.24 Nach­ste­hend erhal­ten Sie einen Überblick über die The­men einiger Vor­lesun­gen, die Heinitz ab 1920 in Ham­burg hielt:25

• Die Entste­hung der Instru­men­tal­musik und ihre Beziehun­gen zur Musik der Naturvölker

• Sub­jek­tive und objek­tive Bes­tim­mung der Ton­höhen­be­we­gung in der gesproch­enen Sprache

• Vokalmusik bei Naturvölk­ern und Europäern

• Anwen­dung exper­i­men­tal­phonetis­ch­er Meth­o­d­en auf die Ver­gle­ichende Musikwissenschaft

• Beurteilung musikalis­ch­er Linienführung

• Musikalis­che Akustik

• Skan­di­navis­che Volksmusik

• Musikalis­che Begabung

• Tran­skrip­tion der Musik ander­er Völker

• Ton­sys­teme außereu­ropäis­ch­er Musikkulturen

Diese Auflis­tung gibt einen guten Überblick über die vielfälti­gen The­menge­bi­ete, in denen Heinitz nicht nur lehrte, son­dern auch forschte. Schließlich wurde die Forschungsabteilung für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft im Jahr 1947 auf Antrag Pan­con­cel­li-Calzias vom Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um getren­nt und an das eben­falls 1934 ent­standene Uni­ver­sitäts-Musik-Insti­tut angegliedert.26

Das Universitäts-Musik-Institut – die Bedeutung der Musikwissenschaft nimmt zu

An der Ham­bur­gis­chen Uni­ver­sität ist mit Wirkung vom 1. Novem­ber d. J. ein ‚Uni­ver­sitäts-Musik-Insti­tut‘ errichtet wor­den.“27 Dieser Satz war im Novem­ber 1934 im Ham­burg­er Tage­blatt zu lesen. Zuvor hat­te Dr. Hans Hoff­mann als Dozent für Musik­the­o­rie und Musikpflege in begren­zten Räum­lichkeit­en und ohne eige­nen Finanze­tat gewirkt28 sowie den Stu­den­ten­chor und das Stu­den­tenorch­ester geleit­et.29 Hoff­manns Wun­sch nach einem eige­nen Sem­i­nar­raum fügte der dama­lige Uni­ver­sität­srek­tor Adolf Rein in einem Schreiben an die Lan­desun­ter­richts­be­hörde die Bitte um eigene Finanzmit­tel hinzu.30 Wenig später genehmigte der Ham­burg­er Sen­at die offizielle Grün­dung des ‚Uni­ver­sitäts-Musik-Insti­tuts‘ unter der Leitung von Hoff­mann.31

Das Musik-Insti­tut beschäftigte sich mit Chor- und Instru­men­tal­prax­is, ver­mit­telte aber auch musikhis­torische und musik­the­o­retis­che Inhalte. Die musikgeschichtlichen Vor­lesun­gen konzen­tri­erten sich dabei zumeist auf Früh­barock, Klas­sik und Mod­erne. Zur Musik­the­o­rie hielt Hoff­mann unter anderem Vor­lesun­gen über Kon­tra­punkt, Kanon, Fuge und Gen­er­al­bass. In der Zeit des nation­al­sozial­is­tis­chen Regimes über­nahm das Insti­tut außer­dem die Auf­gabe, Sin­gleit­er der Schutzstaffel (SS) durch Volk­sliedübun­gen auszu­bilden. Auch Mannschaftssin­gen und Volk­sliedsin­gen für alle Studieren­den standen auf dem Lehrplan.32

Sechs Jahre nach Grün­dung des Insti­tuts erfol­gte eine weit­ere rich­tungsweisende Verän­derung. Das Uni­ver­sitäts-Musikin­sti­tut wurde an die Philosophis­che Fakultät angegliedert.33 Bemerkenswert ist dabei das Schreiben des Rek­tors Wil­helm Gun­dert, welch­er den Antrag begrün­dete: „Es han­delt sich dabei nur um eine Fol­gerung aus dem Umstand, dass die Musik­wis­senschaft nun­mehr als gle­ich­berechtigtes Fach in der Philosophis­chen Fakultät vertreten wer­den soll.“34 Gun­dert gab der Tätigkeit des Musik-Insti­tuts als erster Funk­tion­sträger den Titel „Musik­wis­senschaft“ und emp­fahl den Musik­wis­senschaftler Dr. Hans Joachim Ther­stap­pen als Leit­er des Insti­tuts. Damit begann die Bedeu­tung der Musik­wis­senschaft in Ham­burg zu wach­sen. Dem Antrag wurde am 21. März 1940 von der Staatsver­wal­tung zuges­timmt – das Uni­ver­sitäts-Musik-Insti­tut wurde unter der Leitung von Her­rn Dr. Ther­stap­pen in die Philosophis­che Fakultät eingegliedert.35 Mit Ther­stap­pen hiel­ten in den Fol­ge­jahren ver­mehrt musikhis­torische The­men Einzug in den Uni­ver­sität­sall­t­ag und diver­si­fizierten die Musik­wis­senschaft in Ham­burg weit­er (s. Beitrag zu „Hans Joachim Ther­stap­pen“).36

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Durch den bere­its erwäh­n­ten Zusam­men­schluss des Uni­ver­sitäts-Musik-Insti­tuts mit der Forschungsabteilung für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft 1947 ent­stand ein musik­wis­senschaftlich­es Insti­tut, in dem sowohl his­torische als auch musik­the­o­retis­che, ‑sozi­ol­o­gis­che und ‑psy­chol­o­gis­che The­men erforscht und gelehrt wur­den. Die beschriebe­nen Insti­tu­tio­nen und Per­so­n­en tru­gen alle­samt dazu bei, den Weg zur Insti­tu­tion­al­isierung der Musik­wis­senschaft erfol­gre­ich zu been­den. 1949 wurde dieses Ziel mit der offiziellen Grün­dung des Musik­wis­senschaftlichen Insti­tuts in Ham­burg erreicht.

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Hans Joachim Therstappen und die Hamburger Historische Musikwissenschaft während des „Dritten Reichs“

Von Mia Kirsch

Die Ham­burg­er Musik­wis­senschaft war während der Jahre 1933 bis 1945 noch nicht offiziell insti­tu­tion­al­isiert. Musik­wis­senschaftliche Forschung und Lehre wur­den den­noch durch unter­schiedliche Dozen­ten ver­schieden­er Abteilun­gen und Insti­tute vertreten, zudem herrschte ein häu­figer Wech­sel von Lehrbeauf­tragten. So kamen etwa Prof. Dr. Wil­helm Heinitz und Prof. Dr. Georg Anschütz, die zur Zeit des „Drit­ten Reichs“ fort­laufend musik­wis­senschaftliche Lehrver­anstal­tun­gen aus dem Bere­ich der Ver­gle­ichen­den Musik­wis­senschaft, der Musikpsy­cholo­gie und der Musikäs­thetik abhiel­ten,1 ursprünglich nicht aus dem Fach der Musik­wis­senschaft (s. Beitrag „Wie alles begann“). Beson­ders die His­torische Musik­wis­senschaft war in den Anfangs­jahren der Uni­ver­sität noch wenig vertreten und begann sich erst mit der Grün­dung eines eigen­ständi­gen Uni­ver­sitäts-Musikin­sti­tuts 1934 zu ver­steti­gen.2 Auf die in dieser Hin­sicht prä­gende Arbeit seines Leit­ers Hans Joachim Ther­stap­pen soll im Fol­gen­den näher einge­gan­gen werden.

Therstappens Vorgänger und die Historische Musikwissenschaft

Die zur His­torischen Musik­wis­senschaft gehören­den Bere­iche der Musikgeschichte und ‑the­o­rie wur­den an der Uni­ver­sität Ham­burg in erster Lin­ie durch Lehraufträge abgedeckt. Hier ist beispiel­sweise Dr. Walther Vet­ter zu nen­nen, der im Zeitraum von 1929 bis 1934 mehrere Ver­anstal­tun­gen unter anderem zur Musikgeschichte der Antike, des 18. und 19. Jahrhun­derts anbot. Darüber hin­aus hielt er auch eine Ein­führung zur Musik­wis­senschaft sowie beispiel­sweise Vor­lesun­gen und Übun­gen zu Bach, Beethoven, Wag­n­er und zur Geschichte der Klavier­musik.3 Neben Vet­ter wirk­te während der Jahre 1923 bis 1933 der Kom­pon­ist und Musikkri­tik­er Robert Ger­son Müller-Hart­mann. Sein Schw­er­punkt war vor allem die Musik­the­o­rie: Er hielt Ver­anstal­tun­gen zur Har­monielehre, Form­lehre und Kon­tra­punkt sowie zu Liedern von Schu­bert bis Hugo Wolf.4 Wegen sein­er jüdis­chen Herkun­ft wurde er jedoch noch vor dem Som­merse­mes­ter 1933 ent­lassen.5 Ihm fol­gte zum Win­terse­mes­ter 1934/1935 Hans Hoff­mann. Hoff­man deck­te wie Müller-Hart­mann vor­wiegend den Bere­ich der Musik­the­o­rie ab. Neben zahlre­ichen Übun­gen zum Par­ti­tur- und Gen­er­al­bassspiel sowie zum Volk­slied, zur Analyse von Musik­w­erken, Har­monie- und Form­lehre, ist den Vor­lesungsverze­ich­nis­sen zu ent­nehmen, dass er auch Ver­anstal­tun­gen zur Musikgeschichte hielt – beispiel­sweise zu Bachs Wohltem­periertem Klavier oder zur Stilkunde und Auf­führung­sprax­is älter­er Musik.6

Nach­dem Vet­ter die Uni­ver­sität zum Som­merse­mes­ter 1935 ver­ließ, ver­ringerten sich vom Som­merse­mes­ter 1935 bis zum Win­terse­mes­ter 1936/1937 die musikgeschichtlichen Ver­anstal­tun­gen, die derzeit von Hoff­mann geleit­et wur­den.7 Hoff­mann zog 1936 ein kün­st­lerisches Engage­ment nach Biele­feld.8 In den fol­gen­den Semes­tern sind in den Vor­lesungsverze­ich­nis­sen lediglich ein paar Übun­gen beispiel­sweise zur Sat­zlehre, Form­lehre und Gen­er­al­passspiel aufge­führt, für die im Vor­lesungsverze­ich­nis noch kein Dozent bekan­nt gegeben wurde.9 Erst im Vor­lesungsverze­ich­nis vom Som­merse­mes­ter 1937 war Ther­stap­pen als Dozent einge­tra­gen.10 Im Som­merse­mes­ter sowie im Win­terse­mes­ter 1937/38 hielt er zunächst nur wenige Ver­anstal­tun­gen zur Musikgeschichte, darunter eine zu Bux­te­hude, zur Geschichte der Ham­bur­gis­chen Musik sowie zur All­ge­meinen Musik­lehre. Es fol­gten viele weit­ere Vor­lesun­gen und Übun­gen, sodass Ther­stap­pen bald ein bre­ites Spek­trum der Musikgeschichte abdeck­te. Die deutsche Oper des 18. Jahrhun­derts, Johann Sebas­t­ian Bach, Mozart, Johannes Brahms, die Geschichte der Musik seit Beethoven, Musikgeschichte der Roman­tik, Hein­rich Schütz, die Stre­ichquar­tette Joseph Haydns, Frühgeschichte der Sin­fonie, die Sin­fonie Joseph Haydns, Musikgeschichte des Mit­te­lal­ters, Franz Schu­bert, Orlan­do di Las­so, die Mod­erne11 – um nur einige sein­er The­menge­bi­ete zu nennen.

Exkurs: Ein kurzer Einblick in den Werdegang Therstappens

Der am 1. August 1905 geborene Bre­mer erhielt noch zu Schulzeit­en Musikun­ter­richt in Klavier, Orgel, Vio­lon­cel­lo und Musik­the­o­rie. 1924 ging er zunächst an die Uni­ver­sität München. Dort sowie in Leipzig und Kiel besuchte er bis 1930 musik­wis­senschaftliche Ver­anstal­tun­gen, hörte Vor­lesun­gen über deutsche Sprache und Lit­er­atur und wid­mete sich weit­er­hin sein­er prak­tis­chen musikalis­chen Aus­bil­dung, sodass er eben­so als Klavier- und Cem­balospiel­er sowie als Kom­pon­ist qual­i­fiziert war. Er schloss seine Stu­di­en mit ein­er Dis­ser­ta­tion zur Entwick­lung der Form bei Schu­bert ab.12 An der Uni­ver­sität Kiel stellte man ihn 1930 als plan­mäßi­gen Lek­tor für Musik an, bis er 1936 schließlich zum Leit­er des Musik-Insti­tutes an der Han­sis­chen Uni­ver­sität sowie 1945 zum außer­plan­mäßi­gen Pro­fes­sor in Ham­burg ernan­nt wurde.13

Therstappen und das Musik-Institut

Ther­stap­pen deck­te am Musik-Insti­tut in Ham­burg ab dem Win­terse­mes­ter 1936/1937 die Bere­iche der Musikgeschichte, Musik­the­o­rie sowie die akademis­che Musikpflege ab. Neben den genan­nten musikgeschichtlichen Vor­lesun­gen kamen Übun­gen zum Kon­tra­punkt sowie der Satz- und Har­monielehre hinzu. Als Beauf­tragter der akademis­chen Musikpflege leit­ete er zudem den Stu­den­ten­chor und das Stu­den­tenorch­ester. Nach­dem Ther­stap­pen an der Ham­burg­er Uni­ver­sität zunächst nur einen Lehrauf­trag besaß, habil­i­tierte er sich 1939 mit der Schrift Die Lon­don­er Sin­fonien Joseph Haydns. Stu­di­en zur For­mgestal­tung der deutschen Klas­sik aus Kiel um und wurde schließlich am 23. Novem­ber 1939 zum Dozen­ten ernan­nt.14 Zwar wur­den Bedenken geäußert, Ther­stap­pen sei „Spezial­ist […] und im Hin­blick auf seine Tätigkeit als Musikkri­tik­er wahrschein­lich nicht in erster Lin­ie Dozent“,15 wie es im Pro­tokoll der Fakultät­sratssitzung vom 23. Novem­ber 1939 heißt. Dies­bezüglich ent­ge­genete Prof. Dr. Fritz Jäger in ein­er Stel­lung­nahme zum Antrag Ther­stap­pens auf Ver­lei­hung der Lehrbefug­nis indi­rekt: „Die Fakultät ist überzeugt, dass die Zulas­sung Dr. Ther­stap­pens als Dozent für Musik­wis­senschaft vol­lauf gerecht­fer­tigt ist und eine bish­er schmer­zlich emp­fun­dene Lücke in unserem Unter­richts­be­trieb auszufüllen ist.“ Außer­dem lobt er Ther­stap­pens Lehrprobe zum The­ma „Die Musikkul­tur des deutschen Barock“, in der er eine „erschöpfende Sachken­nt­nis“ sowie „die Befähi­gung […], sich fliessend und ver­ständlich auszu­drück­en“ bewiesen habe. Auch Ther­stap­pens Habil­i­ta­tion­ss­chrift beze­ich­net er „als eine bedeut­same, nach Meth­ode und Zielset­zung dur­chaus selb­st­ständi­ge und in ihren Ergeb­nis­sen überzeu­gende wis­senschaftliche Leis­tung.“16

Mit Ther­stap­pen als beamteten Dozen­ten wuchs die His­torische Musik­wis­senschaft als Diszi­plin an der Uni­ver­sität Ham­burg, was zum Beispiel daran sicht­bar wird, dass Ther­stap­pen jedes Semes­ter Vor­lesun­gen zu unter­schiedlichen Bere­ichen der Musikgeschichte hielt.17 Neben seinen großen Schriften ver­fasste er diverse Auf­sätze zu den The­men Mozart, Beethoven, Reger (u.a.),18 die er eben­so in seinen Ver­anstal­tun­gen disku­tiert. Während sein­er Zeit als Leit­er regte er neun Dis­ser­ta­tio­nen an.19 Im Jahre 1947 beantragte Ther­stap­pen die Umbe­nen­nung des Musik-Insti­tutes in „Musik­wis­senschaftlich­es Insti­tut“,20 das seinen Namen bis zur Tren­nung der Insti­tute in Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft 2013 trug. Prof. Dr. Hein­rich Hus­mann beschreibt in seinem Kon­dolenzbrief and die Philosophis­che Fakultät die Umbe­nen­nung des Insti­tuts als

eine[n] symbolische[n] Aus­druck der Tat­sache, dass die Musik­wis­senschaft sich […] auch in Ham­burg als voll wis­senschaftliche his­torische Diszi­plin in den Kreis der übri­gen Wis­senschaften ein­fügte, ein­er Entwick­lung, die mit ganz gerin­gen Aus­nah­men längst an allen deutschen Uni­ver­sitäten vol­l­zo­gen war. Und hierin ist wohl über­haupt das grösste Ver­di­enst von Prof. Ther­stap­pen zu sehen, er hat der Ham­bur­gis­chen Uni­ver­sität aus einem dem prak­tis­chen Musizieren der Stu­den­ten aller Fakultäten dienen­den Insti­tut, […] ein voll­gültiges, von echt wis­senschaftlichem Geist getra­genes, die mod­ern­sten stilkri­tis­chen und philol­o­gisch-his­torischen Meth­o­d­en anwen­den­des Insti­tut entwick­elt.“21

Therstappens Position während des Zweiten Weltkrieges

Auch Ther­stap­pens Stel­lung zur NS-Führung ist, wie die viel­er sein­er Kol­le­gen, äußerst schwierig zu beurteilen. 1938 wurde ihm bescheinigt, dass er in der NSDAP als „ordentlich­es Mit­glied geführt“ wird.22 Selb­st wenn den Vor­lesungsverze­ich­nis­sen ent­nom­men wer­den kann, dass Ther­stap­pen auch während des Krieges weit­er­hin musikgeschichtliche Ver­anstal­tun­gen hielt – die wie zuvor The­men wie Mozart, Schu­bert usw. behan­del­ten23 – lässt sich heute nicht mehr nachvol­lziehen, ob seine Lehrver­anstal­tun­gen von ide­ol­o­gis­chem Gedankengut geprägt waren. Bere­its zum Som­merse­mes­ter 1936 wur­den Übun­gen zum „Mannschaftssin­gen“, „All­ge­meinen Volk­sliedsin­gen“, „Volk­sliedübun­gen für Sin­gleit­er“ der SA, SS, BDM und HJ in den Vor­lesungsverze­ich­nis­sen aufgenom­men, die Ther­stap­pen sein­erzeit fort­führte.24 Mögliche ide­ol­o­gis­che Ziele und Gedanken Ther­stap­pens bei der Über­nahme dieser Pflichtkurse lassen sich aus heutiger Sicht nicht mehr rekon­stru­ieren. Unter seinen Schriften dieser Zeit sind hinge­gen zwei Auf­sätze – „Stammhafte Züge in der deutschen klas­sis­chen Musik“ und „Beethoven und die Gegen­wart“ – die 1941/1942 in der Völkischen Musik­erziehung erschienen, als lin­ien­treu deut­bar.25 Er ver­wen­det hier Wortwen­dun­gen wie den „[…] sieghaft deutsche[n] Charak­ter in Haydns Musik, der sich über die Welt aus­bre­it­en sollte […]“, „Mozarts Drang nach der Schöp­fung ein­er nation­al-deutschen Oper […]“26 und auch dem Zitat „Seid umschlun­gen Mil­lio­nen, diesen Kuß der ganzen Welt“ aus Beethovens 9. Sym­phonie fügt er den Gedanken hinzu: „In dieser umfassenden Gebärde fühlen wir uns heute noch umfan­gen und ein­be­zo­gen. Wir spüren mit Erschüt­terung, wie sehr der Musik­er Beethoven noch unsere eigene Sache ver­tritt.“27 Eine Bew­er­tung, inwieweit solche For­mulierun­gen in dem entsprechen­den Pub­lika­tion­sor­gan verpflich­t­end waren, ob also Überzeu­gung oder inwieweit „lediglich“ Mitläufer­tum hin­ter ihnen ste­hen, kann hier nicht abschließend erfolgen.

Als er im Sep­tem­ber 1940 in den Krieg einge­zo­gen wurde, gab er sich zunächst min­destens dien­stpflichtig. So schrieb er in seinem „Gruß an die Han­sis­che Uni­ver­sität“: „Aber wie uns allen ein Gedanke gemein­sam ist: Der Gedanke der Pflichter­fül­lung für Volk und Führer, wie uns allen ein Ziel vor Augen ste­ht: Der volle Sieg über unseren Geg­n­er […]. Es wird darum gehen, für jeden von uns, mitzuhelfen an ein­er geisti­gen und poli­tis­chen Neuord­nung der Welt, die über Europa hin­aus­re­icht.“28

An der Front zog sich Ther­stap­pen eine schwere Enzephali­tis (Gehir­nentzün­dung) zu, die ihn zunächst arbeit­sun­fähig wer­den ließ.29 1945 äußerte Ther­stap­pen sich in einem Brief an den Dekan August Klin­gen­heben, dass sich sein Gesund­heit­szu­s­tand verbessert habe und er im kom­menden Semes­ter wieder Vor­lesun­gen und Übun­gen sowie die Leitung des Musikin­sti­tuts übernehmen könne.30 Sein Zus­tand ver­schlechterte sich jedoch weit­er­hin, sodass Ther­stap­pen noch 1949, also im Alter von 43 Jahren, in den vorzeit­i­gen Ruh­e­s­tand ver­set­zt wurde.31 Er erlag den Fol­gen des Krieges und starb am 28. März 1950.32 Das Nach­wirken sein­er Per­son ist unter anderem an den vie­len Kon­dolen­zschreiben ander­er Uni­ver­sitäten – darunter die Chris­t­ian-Albrechts-Uni­ver­sität Kiel, Uni­ver­sität Leipzig, Tech­nis­che Hochschule München, Uni­ver­sität München und die Freie Uni­ver­sität Berlin – zu erken­nen, die nach seinem Tod eingin­gen.33

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Aus EIN mach ZWEI – Teilung der Studiengänge Historische und Systematische Musikwissenschaft

Von Vera Komeyer

Die Musik­wis­senschaft trat und tritt in der Lehrtra­di­tion deutsch­er Uni­ver­sitäten häu­fig als Ein­heit auf. Gui­do Adler hinge­gen stellte bere­its 1885 die Musik­wis­senschaft als Fachge­bi­et dar, welch­es sich auf zwei Säulen stützt, der His­torischen und Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft.1 Obwohl alle Teil­bere­iche die wis­senschaftlich-the­o­retis­che Beschäf­ti­gung mit Musik im Fokus haben, passiert dies doch mit je ganz eige­nen Schw­er­punk­ten, Blick­winkeln und Methoden.

Das Musik­wis­senschaftliche Insti­tut in Ham­burg erkan­nte bere­its 1970 die Entwick­lung der Fachzweige hin „zu eige­nen Diszi­plinen mit beson­deren Forschungsmeth­o­d­en“. Obwohl es damals einen his­torischen Fokus in der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft gab, inter­essierten sich die Studieren­den anhal­tend auch für deren sys­tem­a­tis­chen Aspek­te.2 Dieser Wiss­be­gierde kon­nte zwar nachge­gan­gen wer­den, allerd­ings nur in ergänzen­der Arbeit zum his­torischen Fokus des Stu­di­en­gangs. Das damals schmalere Lehrange­bot in der Sys­tem­atik schränk­te dabei die Möglichkeit­en ein. Außer­dem erforderte der „große stof­fliche Umfang“ bei­der Gebi­ete einen großen Mehraufwand.3

 

Abbil­dung 1: Erster Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge, 25. Mai 1970, S. 1
Abbil­dung 2: Erster Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge, 25. Mai 1970, S. 2

Dies machte aus Sicht des dama­li­gen Lehrkör­pers eine Teilung des Stu­di­en­gangs Musik­wis­senschaft in die bei­den getren­nten Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft notwendig. Doch wie kon­nte eine solche Teilung umge­set­zt wer­den? Der nach­fol­gende Text wid­met sich im ersten Abschnitt in zeitlich chro­nol­o­gis­ch­er Abfolge den for­mal notwendi­gen Schrit­ten der Teilung (s. Abb. 1 & 24). Es fol­gt eine Darstel­lung der inhaltlichen Entwick­lung der Stu­dienord­nun­gen vor, während und nach der Auf­s­pal­tung, bevor ein detail­liert­er Blick auf konkrete Stu­di­en­in­halte gewor­fen wird. Hier soll die Entwick­lung der Lehrin­halte vor und nach der Stu­di­en­gangstren­nung und die Rolle der Lehrper­so­n­en im Fokus stehen.

 

Spurensuche im bürokratischen Labyrinth – Ablauf der Studiengangsteilung
Abbil­dung 3: Ablauf der bürokratis­chen Schritte zur Teilung der Studiengänge

Ein Pro­tokoll des Insti­tut­srats des Musik­wis­senschaftlichen Insti­tuts vom 3. März 1970 doku­men­tierte zum ersten Mal den Plan, die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft zu verselb­ständi­gen (s. Abb. 35). In Folge eines ein­stim­mi­gen Beschlusses im Insti­tut­srat sendete Prof. Dr. Georg von Dadelsen als geschäfts­führen­der Direk­tor am 25. Mai 1970 den ersten Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge an den Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde.6 Wegen man­gel­nder Fortschritte in der Antragsstel­lung bis Ende Okto­ber 1970 sollte von Dadelsen im Auf­trag des Insti­tut­srats die Teilung durch ein Schreiben an den Fach­bere­ich beschle­u­ni­gen und auf Bedenken aus anderen Fach­bere­ichen einge­hen.7 Jedoch bewirk­ten wed­er der Antrag vom Mai 1970 noch das Schreiben vom Okto­ber 1970 eine Reak­tion des eige­nen Fach­bere­ichs zum Stand der Dinge. Aus diesem Grund wollte der Insti­tut­srat Anfang Juli 1971 erneut schriftlich beim Fach­bere­ich­srat die Lage erfra­gen und klären, ob es neue Stel­lung­nah­men zum Antrag aus den anderen Fach­bere­ichen gäbe. Kurz vor Wei­h­nacht­en 1971 berichtete dann der neue kom­mis­sarische geschäfts­führende Direk­tor Prof. Dr. Con­stan­tin Floros, dass der Prozess nach wie vor durch ausste­hende Äußerun­gen und Bedenken aus anderen Fach­bere­ichen verzögert würde. Deshalb wollte man sich Ende April 1972 mit den Vor­sitzen­den des gemein­samen Auss­chuss­es der Fach­bere­iche zusam­menset­zen. Erst Ende April 1973 stimmte der Fach­bere­ich Kul­turgeschichte und Kul­turkunde in Abstim­mung mit den anderen Fach­bere­ichen dem Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge schließlich zu.

Die näch­ste Instanz, der Sen­at­sauss­chuss für Forschung und wis­senschaftlichen Nach­wuchs,8 lehnte den Antrag im Jan­u­ar 1974 jedoch ab.9 Wiederum ein neuer Antrag des Insti­tut­srats sollte die Argu­mente des Auss­chuss­es entkräften. Zudem wurde darum gebeten, Dr. Peter Petersen als Vertreter der Musik­wis­senschaft zur rel­e­van­ten Sitzung des Auss­chuss­es einzu­laden.10 Durch diese Maß­nah­men stimmte der Akademis­che Sen­at schließlich am 2. Dezem­ber 1974 der Teilung des Stu­di­en­gangs Musik­wis­senschaft in die bei­den Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft zu.

Nach der Darstel­lung der notwendi­gen rechtlichen und bürokratis­chen Schritte für die Ein­führung des eige­nen Stu­di­en­gangs Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft soll nun die Entwick­lung der groben inhaltlich-struk­turellen Aspek­te der Teilung erläutert werden.

Emanzipation der Systematischen Musikwissenschaft in der Studienordnung

Eine Stu­dienord­nung bildet das Gerüst eines Stu­di­en­gangs. Sie bein­hal­tet Auf­nah­mekri­te­rien, eine emp­foh­lene oder vorgegebene Stu­di­en­struk­tur und liefert den groben inhaltlichen Rah­men – zumin­d­est seit 1969. Vorher wur­den inhaltliche und struk­turelle Vor­gaben meist mündlich oder in soge­nan­nten Stu­di­en­führern, kleinen Merkheften für Studierende mit Infor­ma­tio­nen rund um die Uni­ver­sität, weit­ergegeben.11

Im Stu­di­en­führer von 1967 schrieb von Dadelsen ganz klar, dass der Fokus des musik­wis­senschaftlichen Stu­di­en­gangs auf der Musikgeschichte liege.12 Nach einem vierse­mes­tri­gen Grund­studi­um mit Pros­em­inaren beispiel­sweise zur „Geschichte des Instru­mentalkonz­erts“, „Übun­gen zur Motette um 1500“, „Übun­gen zu den Klavier­w­erken J. S. Bachs“ oder auch ein­er „Ein­führung in den gre­go­ri­an­is­chen Choral“,13 kon­nte bei erfol­gre­ich­er Zwis­chen­prü­fung zum vierse­mes­tri­gen Haupt­studi­um überge­gan­gen wer­den.14 Dessen Hauptver­anstal­tungs­form, die Haupt­sem­inare, boten u. a. „Ästhetik der Oper“, „Tro­pus und Sequenz“, „Rhyth­mis­che und har­monis­che Prob­leme der Musik seit 1900“ oder „Bachs Par­o­diev­er­fahren“ an.15 Ergänzend erwarteten die Lehren­den von den Studieren­den den Besuch von Vor­lesun­gen und weit­eren Sem­i­naren,16 deren Inhalte von „Beethovens Stre­ichquar­tett“ bis zur „Analyse aus­gewählter Werke der atonalen Musik“ reicht­en.17 Die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft wurde hinge­gen nur als Spezial­ge­bi­et gepflegt und galt nicht als eigenes Prü­fungs­fach.18 Eine sys­tem­a­tis­che Abschlus­sar­beit war indes möglich, diese Spezial­isierung wurde aber erst nach dem Grund­studi­um emp­fohlen.19

Zwis­chen diesen Richtlin­ien vom Ende der 1960er Jahre und der ersten Stu­dienord­nung für die bei­den getren­nt studier­baren Fäch­er His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft im Win­terse­mes­ter 1975/1976 zeigten ver­schiedene Entwürfe von Stu­dienord­nun­gen ein prozesshaftes Umdenken in der Fachauf­fas­sung. Die his­torische Sichtweise der 1960er Jahre auf die Musik­wis­senschaft wich bere­its 1970, dem Jahr des ersten Teilungsantrags, ein­er immer gle­ich­w­er­tigeren Betra­ch­tung der Fächerzweige.20 Dieses Umdenken zeigte sich ein­er­seits im Umfang der Darstel­lung der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft (ein Absatz in der Stu­dienord­nung von 1966 im Ver­gle­ich zu einem eige­nen Kapi­tel ab 1970). Ander­er­seits erlaubten die inhaltlichen Vor­gaben der Stu­dienord­nungsen­twürfe nun nicht mehr nur vor­rangig his­torische The­men, son­dern ein Spek­trum von ein­er geschichtlichen Betra­ch­tung bis zu ein­er akustisch, physikalis­chen Sichtweise auf Musik.21 Nach der Bewil­li­gung der bei­den geteil­ten Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft im Dezem­ber 1974 gipfelte diese Entwick­lung in ein­er Stu­dienord­nung für das Win­terse­mes­ter 1975/1976, die bei­de eigen­ständi­gen Fäch­er gle­ich­berechtigt behan­delte. Dabei waren sie nur noch durch eine Empfehlung zur gegen­seit­i­gen Neben­fach­wahl ver­bun­den.22

Inhaltlich sah man in diesen neuen Stu­dienord­nun­gen das Ziel der His­torischen Musik­wis­senschaft darin, die „Musik der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart philol­o­gisch, his­torisch, the­o­retisch und ana­lytisch zu erforschen“.23 Konkret umge­set­zt wurde dies durch das Ange­bot von Ver­anstal­tun­gen wie „Nota­tion­skunde“ I–III, „Werk­analyse“ I und II, Prak­ti­ka mit Auf­führungsver­suchen älter­er Musik und Pros­em­inaren zur Gat­tungs­geschichte oder Stilkunde. In der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft hinge­gen fokussierte man sich weniger auf die Unter­suchung von Musik aus geschichtlich­er Per­spek­tive, son­dern mehr auf einen per­so­n­en- und objek­t­be­zo­ge­nen Ansatz. Das Erken­nt­nis­in­ter­esse war hier, die „Geset­zmäßigkeit­en des musikalis­chen Erlebens und Ver­hal­tens sowie die darauf bezo­ge­nen Objek­t­bere­iche zu erforschen“.24 Den Kern bilde­ten jew­eils eine Übung in Verbindung mit einem Prak­tikum in Meth­o­d­en­lehre, Musikpsy­cholo­gie und musikalis­ch­er Akustik. Pros­em­inare zu wichti­gen The­men der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft ergänzten diese Grund­la­gen. Die in Haupt­sem­inaren besproch­enen ungelösten Forschungs­the­men run­de­ten das Ange­bot zusam­men mit Vor­lesun­gen zu erschlosse­nen The­menkom­plex­en ab.

Klar ist nun, welche groben inhaltlichen und struk­turellen Vor­gaben die Studieren­den vor und nach der Teilung hat­ten. Doch wie bee­in­flussten diese Verän­derun­gen das Lehrange­bot und in welch­er Beziehung stand wiederum die Lehre mit der Per­son­al­si­t­u­a­tion am Musik­wis­senschaftlichen Institut?

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung – Die Entwicklung der Lehre in Systematischer und Historischer Musikwissenschaft

Ein Lehrange­bot ist oft mit per­son­ellen Gegeben­heit­en an einem Insti­tut ver­bun­den. Durch die per­sön­lichen Forschungss­chw­er­punk­te der Dozen­ten entste­hen meist auch the­ma­tis­che Kern­punk­te in der Lehre. Das Lehrange­bot verän­dert sich dabei quan­ti­ta­tiv und qual­i­ta­tiv nicht plöt­zlich, son­dern fließend. Abbil­dung 425 ver­an­schaulicht einen solchen quan­ti­ta­tiv­en Ver­lauf für das Musik­wis­senschaftliche Insti­tut zwis­chen dem Som­merse­mes­ter 1959 und 1982.

Abbil­dung 4: Anzahl der Lehrver­anstal­tun­gen mit the­ma­tis­chem Schw­er­punkt His­torische bzw. Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft von 1959 bis 1982

Der Blick zurück zum Anfang der 1950er Jahre zeigt ein noch schmales Lehrange­bot mit v. a. his­torisch musik­wis­senschaftlichen The­men wie der „Ein­führung in die Musikgeschichte“26 oder „[der] ‚Klan­grede’ bei Hän­del und Bach“. Den­noch gab Prof. Dr. Wil­helm Heinitz (s. Beitrag zu Heinitz’ „Etablierung eines neuen Forschungszweiges“) mit Lehrver­anstal­tun­gen zu „Takt und Rhyth­mus“27 oder „Musik und Bewe­gung“28 bere­its Ein­blicke in die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft. Mit ein­er Vor­lesung „Ein­führung in die Akustik“ inkl. Übung, posi­tion­ierte sich Dr. Hans-Peter Rei­necke im Som­merse­mes­ter 1955, dem Beginn sein­er Lehrtätigkeit am Insti­tut, wesentlich klar­er in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft und ermöglichte damit deren Etablierung in Ham­burg.29 Bis in die 1970er Jahre ver­trat v. a. Rei­necke die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft. Ver­anstal­tun­gen waren beispiel­sweise die „Ein­führung in die Rau­makustik“30 oder „Tonpsy­cholo­gie und Musikpsy­cholo­gie“31. Zudem bot er im Laufe der 1960er Jahre eine „Ein­führung in die sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft“32, ein Prak­tikum zu „[a]kustischen Unter­suchun­gen an Musikin­stru­menten“33 und „Infor­ma­tion­s­the­o­rie in der Musik­wis­senschaft“34 an.

Einen deut­lich größeren Anteil bildete jedoch die Lehre der His­torischen Musik­wis­senschaft. Hier stieg die Anzahl der Ver­anstal­tun­gen merk­lich ab dem Som­merse­mes­ter 1961, dem Beginn der Amt­szeit von Georg von Dadelsen als geschäfts­führen­der Direk­tor am Insti­tut.35 Ins­beson­dere zusät­zliche Vor­lesun­gen – the­ma­tis­che Beispiele sind hier „Richard Strauss“, „Alban Berg“ oder auch „Ham­burg im Spiegel der all­ge­meinen Musikgeschichte“36 – ver­stärk­ten das bish­erige Ange­bot der Pros­em­inare und Sem­i­nare. Mit einem bre­it­en Spek­trum von mehreren Ver­anstal­tun­gen zur all­ge­meinen Musikgeschichte und Grund­fra­gen der Stilkunde, über Vor­lesun­gen und Sem­i­nare zu einzel­nen Kom­pon­is­ten, bis hin zu ganz speziellen The­men wie der „[m]ehrstimmige[n] Musik im 12. und 13. Jahrhun­dert“ bot sich den his­torisch inter­essierten Studieren­den von 1963 bis 1970 ein anhal­tend umfan­gre­ich­es the­ma­tis­ches Feld.37

Das oben genan­nte Umdenken in der Auf­fas­sung der Fachzweige seit etwa 1970 spiegelte sich auch langsam in der ange­bote­nen Lehre wider. Durch die Tätigkeit von Dr. Hel­ga de la Motte ab dem Som­merse­mes­ter 1971 dif­feren­zierte sich das Ange­bot in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft vorüberge­hend aus. Zusät­zliche Ver­anstal­tungs­the­men waren beispiel­sweise „Musikpsy­cholo­gie II: Begabung, Moti­va­tion, Ler­nen“ oder „Neue Wege der Klangsyn­these“.38

Nach der offiziellen Teilung der bei­den Stu­di­engänge 1975 dozierte Dr. Horst-Peter Hesse, Gast­dozent aus Göt­tin­gen, ab dem Som­merse­mes­ter 1975 als erster eigens für die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft angestell­ter Lehrbeauf­tragter nach der Teilung.39 Trotz­dem benötigte die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft eine gewisse Zeit, um sich zu etablieren. Mit dem Beginn von Dr. Vladimir Kar­bu­sick­ys Arbeit am Insti­tut ab Win­terse­mes­ter 1976/1977 (ab Som­merse­mes­ter 1977 bere­its Pro­fes­sor), entwick­elte sich die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft immer mehr. Kar­bu­sicky set­ze im Ver­gle­ich zur Tra­di­tion Rei­neck­es andere Schw­er­punk­te am Insti­tut. Während Rei­necke sich mehr auf tech­nisch-akustis­che Aspek­te der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft fokussierte, behan­delte Kar­bu­sicky v. a. Musik im Kon­text von Seman­tik, Semi­otik und Sozi­olo­gie.40 Zu Beginn der 1980er Jahre wur­den sog­ar in manchen Semes­tern mehr Ver­anstal­tun­gen in der Sys­tem­a­tis­chen als in der His­torischen Musik­wis­senschaft ange­boten (s. Abb. 4).41 Seit diesem Zeit­punkt kann wohl von ein­er Gle­ich­berech­ti­gung der bei­den Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg gesprochen werden.

Systematische Musikwissenschaft heute

Heute deckt die Lehre in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg das gesamte bre­ite Spek­trum von der Musikpsy­cholo­gie bis zur musikalis­chen Akustik ab. Zudem wer­den Ver­anstal­tun­gen aus dem Bere­ich der Neu­rowis­senschaften und Musik-Infor­matik ange­boten. Auch die Forschung kon­nte sich auf der Basis der Teilung der Diszi­plinen weit­er spezial­isieren. Ham­burg bietet damit Studieren­den mit Inter­esse an der Musikpsy­cholo­gie und der musikalis­chen Akustik die einzi­gar­tige Möglichkeit diese Fachdiszi­plinen in Deutsch­land ver­tieft und schon in einem grund­ständi­gen Stu­di­en­gang nachzuge­hen. Die method­is­che Viel­seit­igkeit der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft zwis­chen Geistes- und Natur­wis­senschaft bleibt trotz eigen­em Stu­di­en­gang weit­er­hin ein span­nen­des Feld und wird wohl auch in Zukun­ft sowohl den Aus­tausch mit anderen Diszi­plinen, als auch mit der Schwes­t­er­diszi­plin His­torische Musik­wis­senschaft, beflügeln.

Fazit – Auswirkungen auf Forschung und Lehre

Trotz eines fünf Jahre andauern­den und nicht ganz ein­fachen bürokratis­chen Weges und ein­er sich anschließen­den fün­fjähri­gen fach­lichen Emanzi­pa­tion, kon­nte sich die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg inner­halb von ca. zehn Jahren zu einem eigen­ständi­gen und gle­ich­berechtigten Stu­di­en­gang ent­fal­ten, der bis heute nichts an Aktu­al­ität ver­loren hat. Diese Entwick­lung in Ham­burg sucht in Deutsch­land Ihres­gle­ichen. Bis heute bietet die Uni­ver­sität Ham­burg deutsch­landweit als einzige Uni­ver­sität den Bach­e­lor of Arts in Sys­tem­a­tis­ch­er Musik­wis­senschaft an. Zwar gibt es inzwis­chen einige Bach­e­lor- und Mas­ter­stu­di­engänge mit Schw­er­punk­ten im Bere­ich der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft, allerd­ings ist dies das Ergeb­nis ein­er jün­geren Entwick­lung. Die hier beleuchtete Tren­nung, die sich bere­its in den 1970er Jahren vol­l­zog, ist also umso erstaunlicher.

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