Aus EIN mach ZWEI – Teilung der Studiengänge Historische und Systematische Musikwissenschaft

Von Vera Komeyer

Die Musik­wis­senschaft trat und tritt in der Lehrtra­di­tion deutsch­er Uni­ver­sitäten häu­fig als Ein­heit auf. Gui­do Adler hinge­gen stellte bere­its 1885 die Musik­wis­senschaft als Fachge­bi­et dar, welch­es sich auf zwei Säulen stützt, der His­torischen und Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft.1 Obwohl alle Teil­bere­iche die wis­senschaftlich-the­o­retis­che Beschäf­ti­gung mit Musik im Fokus haben, passiert dies doch mit je ganz eige­nen Schw­er­punk­ten, Blick­winkeln und Methoden.

Das Musik­wis­senschaftliche Insti­tut in Ham­burg erkan­nte bere­its 1970 die Entwick­lung der Fachzweige hin „zu eige­nen Diszi­plinen mit beson­deren Forschungsmeth­o­d­en“. Obwohl es damals einen his­torischen Fokus in der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft gab, inter­essierten sich die Studieren­den anhal­tend auch für deren sys­tem­a­tis­chen Aspek­te.2 Dieser Wiss­be­gierde kon­nte zwar nachge­gan­gen wer­den, allerd­ings nur in ergänzen­der Arbeit zum his­torischen Fokus des Stu­di­en­gangs. Das damals schmalere Lehrange­bot in der Sys­tem­atik schränk­te dabei die Möglichkeit­en ein. Außer­dem erforderte der „große stof­fliche Umfang“ bei­der Gebi­ete einen großen Mehraufwand.3

 

Abbil­dung 1: Erster Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge, 25. Mai 1970, S. 1
Abbil­dung 2: Erster Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge, 25. Mai 1970, S. 2

Dies machte aus Sicht des dama­li­gen Lehrkör­pers eine Teilung des Stu­di­en­gangs Musik­wis­senschaft in die bei­den getren­nten Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft notwendig. Doch wie kon­nte eine solche Teilung umge­set­zt wer­den? Der nach­fol­gende Text wid­met sich im ersten Abschnitt in zeitlich chro­nol­o­gis­ch­er Abfolge den for­mal notwendi­gen Schrit­ten der Teilung (s. Abb. 1 & 24). Es fol­gt eine Darstel­lung der inhaltlichen Entwick­lung der Stu­dienord­nun­gen vor, während und nach der Auf­s­pal­tung, bevor ein detail­liert­er Blick auf konkrete Stu­di­en­in­halte gewor­fen wird. Hier soll die Entwick­lung der Lehrin­halte vor und nach der Stu­di­en­gangstren­nung und die Rolle der Lehrper­so­n­en im Fokus stehen.

 

Spurensuche im bürokratischen Labyrinth – Ablauf der Studiengangsteilung
Abbil­dung 3: Ablauf der bürokratis­chen Schritte zur Teilung der Studiengänge

Ein Pro­tokoll des Insti­tut­srats des Musik­wis­senschaftlichen Insti­tuts vom 3. März 1970 doku­men­tierte zum ersten Mal den Plan, die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft zu verselb­ständi­gen (s. Abb. 35). In Folge eines ein­stim­mi­gen Beschlusses im Insti­tut­srat sendete Prof. Dr. Georg von Dadelsen als geschäfts­führen­der Direk­tor am 25. Mai 1970 den ersten Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge an den Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde.6 Wegen man­gel­nder Fortschritte in der Antragsstel­lung bis Ende Okto­ber 1970 sollte von Dadelsen im Auf­trag des Insti­tut­srats die Teilung durch ein Schreiben an den Fach­bere­ich beschle­u­ni­gen und auf Bedenken aus anderen Fach­bere­ichen einge­hen.7 Jedoch bewirk­ten wed­er der Antrag vom Mai 1970 noch das Schreiben vom Okto­ber 1970 eine Reak­tion des eige­nen Fach­bere­ichs zum Stand der Dinge. Aus diesem Grund wollte der Insti­tut­srat Anfang Juli 1971 erneut schriftlich beim Fach­bere­ich­srat die Lage erfra­gen und klären, ob es neue Stel­lung­nah­men zum Antrag aus den anderen Fach­bere­ichen gäbe. Kurz vor Wei­h­nacht­en 1971 berichtete dann der neue kom­mis­sarische geschäfts­führende Direk­tor Prof. Dr. Con­stan­tin Floros, dass der Prozess nach wie vor durch ausste­hende Äußerun­gen und Bedenken aus anderen Fach­bere­ichen verzögert würde. Deshalb wollte man sich Ende April 1972 mit den Vor­sitzen­den des gemein­samen Auss­chuss­es der Fach­bere­iche zusam­menset­zen. Erst Ende April 1973 stimmte der Fach­bere­ich Kul­turgeschichte und Kul­turkunde in Abstim­mung mit den anderen Fach­bere­ichen dem Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge schließlich zu.

Die näch­ste Instanz, der Sen­at­sauss­chuss für Forschung und wis­senschaftlichen Nach­wuchs,8 lehnte den Antrag im Jan­u­ar 1974 jedoch ab.9 Wiederum ein neuer Antrag des Insti­tut­srats sollte die Argu­mente des Auss­chuss­es entkräften. Zudem wurde darum gebeten, Dr. Peter Petersen als Vertreter der Musik­wis­senschaft zur rel­e­van­ten Sitzung des Auss­chuss­es einzu­laden.10 Durch diese Maß­nah­men stimmte der Akademis­che Sen­at schließlich am 2. Dezem­ber 1974 der Teilung des Stu­di­en­gangs Musik­wis­senschaft in die bei­den Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft zu.

Nach der Darstel­lung der notwendi­gen rechtlichen und bürokratis­chen Schritte für die Ein­führung des eige­nen Stu­di­en­gangs Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft soll nun die Entwick­lung der groben inhaltlich-struk­turellen Aspek­te der Teilung erläutert werden.

Emanzipation der Systematischen Musikwissenschaft in der Studienordnung

Eine Stu­dienord­nung bildet das Gerüst eines Stu­di­en­gangs. Sie bein­hal­tet Auf­nah­mekri­te­rien, eine emp­foh­lene oder vorgegebene Stu­di­en­struk­tur und liefert den groben inhaltlichen Rah­men – zumin­d­est seit 1969. Vorher wur­den inhaltliche und struk­turelle Vor­gaben meist mündlich oder in soge­nan­nten Stu­di­en­führern, kleinen Merkheften für Studierende mit Infor­ma­tio­nen rund um die Uni­ver­sität, weit­ergegeben.11

Im Stu­di­en­führer von 1967 schrieb von Dadelsen ganz klar, dass der Fokus des musik­wis­senschaftlichen Stu­di­en­gangs auf der Musikgeschichte liege.12 Nach einem vierse­mes­tri­gen Grund­studi­um mit Pros­em­inaren beispiel­sweise zur „Geschichte des Instru­mentalkonz­erts“, „Übun­gen zur Motette um 1500“, „Übun­gen zu den Klavier­w­erken J. S. Bachs“ oder auch ein­er „Ein­führung in den gre­go­ri­an­is­chen Choral“,13 kon­nte bei erfol­gre­ich­er Zwis­chen­prü­fung zum vierse­mes­tri­gen Haupt­studi­um überge­gan­gen wer­den.14 Dessen Hauptver­anstal­tungs­form, die Haupt­sem­inare, boten u. a. „Ästhetik der Oper“, „Tro­pus und Sequenz“, „Rhyth­mis­che und har­monis­che Prob­leme der Musik seit 1900“ oder „Bachs Par­o­diev­er­fahren“ an.15 Ergänzend erwarteten die Lehren­den von den Studieren­den den Besuch von Vor­lesun­gen und weit­eren Sem­i­naren,16 deren Inhalte von „Beethovens Stre­ichquar­tett“ bis zur „Analyse aus­gewählter Werke der atonalen Musik“ reicht­en.17 Die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft wurde hinge­gen nur als Spezial­ge­bi­et gepflegt und galt nicht als eigenes Prü­fungs­fach.18 Eine sys­tem­a­tis­che Abschlus­sar­beit war indes möglich, diese Spezial­isierung wurde aber erst nach dem Grund­studi­um emp­fohlen.19

Zwis­chen diesen Richtlin­ien vom Ende der 1960er Jahre und der ersten Stu­dienord­nung für die bei­den getren­nt studier­baren Fäch­er His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft im Win­terse­mes­ter 1975/1976 zeigten ver­schiedene Entwürfe von Stu­dienord­nun­gen ein prozesshaftes Umdenken in der Fachauf­fas­sung. Die his­torische Sichtweise der 1960er Jahre auf die Musik­wis­senschaft wich bere­its 1970, dem Jahr des ersten Teilungsantrags, ein­er immer gle­ich­w­er­tigeren Betra­ch­tung der Fächerzweige.20 Dieses Umdenken zeigte sich ein­er­seits im Umfang der Darstel­lung der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft (ein Absatz in der Stu­dienord­nung von 1966 im Ver­gle­ich zu einem eige­nen Kapi­tel ab 1970). Ander­er­seits erlaubten die inhaltlichen Vor­gaben der Stu­dienord­nungsen­twürfe nun nicht mehr nur vor­rangig his­torische The­men, son­dern ein Spek­trum von ein­er geschichtlichen Betra­ch­tung bis zu ein­er akustisch, physikalis­chen Sichtweise auf Musik.21 Nach der Bewil­li­gung der bei­den geteil­ten Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft im Dezem­ber 1974 gipfelte diese Entwick­lung in ein­er Stu­dienord­nung für das Win­terse­mes­ter 1975/1976, die bei­de eigen­ständi­gen Fäch­er gle­ich­berechtigt behan­delte. Dabei waren sie nur noch durch eine Empfehlung zur gegen­seit­i­gen Neben­fach­wahl ver­bun­den.22

Inhaltlich sah man in diesen neuen Stu­dienord­nun­gen das Ziel der His­torischen Musik­wis­senschaft darin, die „Musik der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart philol­o­gisch, his­torisch, the­o­retisch und ana­lytisch zu erforschen“.23 Konkret umge­set­zt wurde dies durch das Ange­bot von Ver­anstal­tun­gen wie „Nota­tion­skunde“ I–III, „Werk­analyse“ I und II, Prak­ti­ka mit Auf­führungsver­suchen älter­er Musik und Pros­em­inaren zur Gat­tungs­geschichte oder Stilkunde. In der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft hinge­gen fokussierte man sich weniger auf die Unter­suchung von Musik aus geschichtlich­er Per­spek­tive, son­dern mehr auf einen per­so­n­en- und objek­t­be­zo­ge­nen Ansatz. Das Erken­nt­nis­in­ter­esse war hier, die „Geset­zmäßigkeit­en des musikalis­chen Erlebens und Ver­hal­tens sowie die darauf bezo­ge­nen Objek­t­bere­iche zu erforschen“.24 Den Kern bilde­ten jew­eils eine Übung in Verbindung mit einem Prak­tikum in Meth­o­d­en­lehre, Musikpsy­cholo­gie und musikalis­ch­er Akustik. Pros­em­inare zu wichti­gen The­men der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft ergänzten diese Grund­la­gen. Die in Haupt­sem­inaren besproch­enen ungelösten Forschungs­the­men run­de­ten das Ange­bot zusam­men mit Vor­lesun­gen zu erschlosse­nen The­menkom­plex­en ab.

Klar ist nun, welche groben inhaltlichen und struk­turellen Vor­gaben die Studieren­den vor und nach der Teilung hat­ten. Doch wie bee­in­flussten diese Verän­derun­gen das Lehrange­bot und in welch­er Beziehung stand wiederum die Lehre mit der Per­son­al­si­t­u­a­tion am Musik­wis­senschaftlichen Institut?

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung – Die Entwicklung der Lehre in Systematischer und Historischer Musikwissenschaft

Ein Lehrange­bot ist oft mit per­son­ellen Gegeben­heit­en an einem Insti­tut ver­bun­den. Durch die per­sön­lichen Forschungss­chw­er­punk­te der Dozen­ten entste­hen meist auch the­ma­tis­che Kern­punk­te in der Lehre. Das Lehrange­bot verän­dert sich dabei quan­ti­ta­tiv und qual­i­ta­tiv nicht plöt­zlich, son­dern fließend. Abbil­dung 425 ver­an­schaulicht einen solchen quan­ti­ta­tiv­en Ver­lauf für das Musik­wis­senschaftliche Insti­tut zwis­chen dem Som­merse­mes­ter 1959 und 1982.

Abbil­dung 4: Anzahl der Lehrver­anstal­tun­gen mit the­ma­tis­chem Schw­er­punkt His­torische bzw. Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft von 1959 bis 1982

Der Blick zurück zum Anfang der 1950er Jahre zeigt ein noch schmales Lehrange­bot mit v. a. his­torisch musik­wis­senschaftlichen The­men wie der „Ein­führung in die Musikgeschichte“26 oder „[der] ‚Klan­grede’ bei Hän­del und Bach“. Den­noch gab Prof. Dr. Wil­helm Heinitz (s. Beitrag zu Heinitz’ „Etablierung eines neuen Forschungszweiges“) mit Lehrver­anstal­tun­gen zu „Takt und Rhyth­mus“27 oder „Musik und Bewe­gung“28 bere­its Ein­blicke in die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft. Mit ein­er Vor­lesung „Ein­führung in die Akustik“ inkl. Übung, posi­tion­ierte sich Dr. Hans-Peter Rei­necke im Som­merse­mes­ter 1955, dem Beginn sein­er Lehrtätigkeit am Insti­tut, wesentlich klar­er in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft und ermöglichte damit deren Etablierung in Ham­burg.29 Bis in die 1970er Jahre ver­trat v. a. Rei­necke die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft. Ver­anstal­tun­gen waren beispiel­sweise die „Ein­führung in die Rau­makustik“30 oder „Tonpsy­cholo­gie und Musikpsy­cholo­gie“31. Zudem bot er im Laufe der 1960er Jahre eine „Ein­führung in die sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft“32, ein Prak­tikum zu „[a]kustischen Unter­suchun­gen an Musikin­stru­menten“33 und „Infor­ma­tion­s­the­o­rie in der Musik­wis­senschaft“34 an.

Einen deut­lich größeren Anteil bildete jedoch die Lehre der His­torischen Musik­wis­senschaft. Hier stieg die Anzahl der Ver­anstal­tun­gen merk­lich ab dem Som­merse­mes­ter 1961, dem Beginn der Amt­szeit von Georg von Dadelsen als geschäfts­führen­der Direk­tor am Insti­tut.35 Ins­beson­dere zusät­zliche Vor­lesun­gen – the­ma­tis­che Beispiele sind hier „Richard Strauss“, „Alban Berg“ oder auch „Ham­burg im Spiegel der all­ge­meinen Musikgeschichte“36 – ver­stärk­ten das bish­erige Ange­bot der Pros­em­inare und Sem­i­nare. Mit einem bre­it­en Spek­trum von mehreren Ver­anstal­tun­gen zur all­ge­meinen Musikgeschichte und Grund­fra­gen der Stilkunde, über Vor­lesun­gen und Sem­i­nare zu einzel­nen Kom­pon­is­ten, bis hin zu ganz speziellen The­men wie der „[m]ehrstimmige[n] Musik im 12. und 13. Jahrhun­dert“ bot sich den his­torisch inter­essierten Studieren­den von 1963 bis 1970 ein anhal­tend umfan­gre­ich­es the­ma­tis­ches Feld.37

Das oben genan­nte Umdenken in der Auf­fas­sung der Fachzweige seit etwa 1970 spiegelte sich auch langsam in der ange­bote­nen Lehre wider. Durch die Tätigkeit von Dr. Hel­ga de la Motte ab dem Som­merse­mes­ter 1971 dif­feren­zierte sich das Ange­bot in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft vorüberge­hend aus. Zusät­zliche Ver­anstal­tungs­the­men waren beispiel­sweise „Musikpsy­cholo­gie II: Begabung, Moti­va­tion, Ler­nen“ oder „Neue Wege der Klangsyn­these“.38

Nach der offiziellen Teilung der bei­den Stu­di­engänge 1975 dozierte Dr. Horst-Peter Hesse, Gast­dozent aus Göt­tin­gen, ab dem Som­merse­mes­ter 1975 als erster eigens für die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft angestell­ter Lehrbeauf­tragter nach der Teilung.39 Trotz­dem benötigte die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft eine gewisse Zeit, um sich zu etablieren. Mit dem Beginn von Dr. Vladimir Kar­bu­sick­ys Arbeit am Insti­tut ab Win­terse­mes­ter 1976/1977 (ab Som­merse­mes­ter 1977 bere­its Pro­fes­sor), entwick­elte sich die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft immer mehr. Kar­bu­sicky set­ze im Ver­gle­ich zur Tra­di­tion Rei­neck­es andere Schw­er­punk­te am Insti­tut. Während Rei­necke sich mehr auf tech­nisch-akustis­che Aspek­te der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft fokussierte, behan­delte Kar­bu­sicky v. a. Musik im Kon­text von Seman­tik, Semi­otik und Sozi­olo­gie.40 Zu Beginn der 1980er Jahre wur­den sog­ar in manchen Semes­tern mehr Ver­anstal­tun­gen in der Sys­tem­a­tis­chen als in der His­torischen Musik­wis­senschaft ange­boten (s. Abb. 4).41 Seit diesem Zeit­punkt kann wohl von ein­er Gle­ich­berech­ti­gung der bei­den Stu­di­engänge His­torische und Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg gesprochen werden.

Systematische Musikwissenschaft heute

Heute deckt die Lehre in der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg das gesamte bre­ite Spek­trum von der Musikpsy­cholo­gie bis zur musikalis­chen Akustik ab. Zudem wer­den Ver­anstal­tun­gen aus dem Bere­ich der Neu­rowis­senschaften und Musik-Infor­matik ange­boten. Auch die Forschung kon­nte sich auf der Basis der Teilung der Diszi­plinen weit­er spezial­isieren. Ham­burg bietet damit Studieren­den mit Inter­esse an der Musikpsy­cholo­gie und der musikalis­chen Akustik die einzi­gar­tige Möglichkeit diese Fachdiszi­plinen in Deutsch­land ver­tieft und schon in einem grund­ständi­gen Stu­di­en­gang nachzuge­hen. Die method­is­che Viel­seit­igkeit der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft zwis­chen Geistes- und Natur­wis­senschaft bleibt trotz eigen­em Stu­di­en­gang weit­er­hin ein span­nen­des Feld und wird wohl auch in Zukun­ft sowohl den Aus­tausch mit anderen Diszi­plinen, als auch mit der Schwes­t­er­diszi­plin His­torische Musik­wis­senschaft, beflügeln.

Fazit – Auswirkungen auf Forschung und Lehre

Trotz eines fünf Jahre andauern­den und nicht ganz ein­fachen bürokratis­chen Weges und ein­er sich anschließen­den fün­fjähri­gen fach­lichen Emanzi­pa­tion, kon­nte sich die Sys­tem­a­tis­che Musik­wis­senschaft an der Uni­ver­sität Ham­burg inner­halb von ca. zehn Jahren zu einem eigen­ständi­gen und gle­ich­berechtigten Stu­di­en­gang ent­fal­ten, der bis heute nichts an Aktu­al­ität ver­loren hat. Diese Entwick­lung in Ham­burg sucht in Deutsch­land Ihres­gle­ichen. Bis heute bietet die Uni­ver­sität Ham­burg deutsch­landweit als einzige Uni­ver­sität den Bach­e­lor of Arts in Sys­tem­a­tis­ch­er Musik­wis­senschaft an. Zwar gibt es inzwis­chen einige Bach­e­lor- und Mas­ter­stu­di­engänge mit Schw­er­punk­ten im Bere­ich der Sys­tem­a­tis­chen Musik­wis­senschaft, allerd­ings ist dies das Ergeb­nis ein­er jün­geren Entwick­lung. Die hier beleuchtete Tren­nung, die sich bere­its in den 1970er Jahren vol­l­zog, ist also umso erstaunlicher.

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  1. Gui­do Adler, „Umfang, Meth­ode und Ziel der Musik­wis­senschaft, in: Viertel­jahress­chrift für Musik­wis­senschaft 1/1 (1885), S. 5–29. Den heute als drit­ten Baustein der Musik­wis­senschaften aufge­fassten Bere­ich der eth­nol­o­gis­chen Betra­ch­tun­gen von Musik sub­sum­mierte Adler hier als „Musikolo­gie“ neben anderen Teil­ge­bi­eten unter die Sys­tem­a­tis­che Musikwissenschaft.
  2. Antrag Georg von Dadelsen an Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde, 25.5.1970, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  3. Antrag Georg von Dadelsen an Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde, 25.5.1970, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  4. Erster Antrag zur Teilung der Stu­di­engänge von Georg von Dadelsen an den Fach­bere­ich Kul­turgeschichte und Kul­turkunde im Mai 1970, aus Antrag Georg von Dadelsen an Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde, 25.5.1970, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  5. Die Zusam­men­stel­lung beruht auf: Insti­tut­srat­spro­tokolle, 3.3.1970–2.12.1974, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  6. Antrag Georg von Dadelsen an Fach­bere­ich­srat Kul­turgeschichte und Kul­turkunde, 25.5.1970, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Ham­burg. Der Antrag musste an den Fach­bere­ich­srat gerichtet wer­den, da dieser „in allen Din­gen der Forschung, der Lehre, Aus­bil­dung und Fort­bil­dung“ in seinem Fach­bere­ich entsch­ied und in diesem Rah­men u. a. Stu­di­en­pläne für die einzel­nen Fachrich­tun­gen auf­stellte: Hans Peter Ipsen und Eber­hard Gra­b­itz (Hrsg.), Das Ham­burg­er Uni­ver­sitäts­ge­setz. Sem­i­nar­refer­ate und Diskus­sio­nen Geset­zes­text, Ham­burg 1970 (Ham­burg­er Abhand­lun­gen aus dem Sem­i­nar für öffentlich­es Recht, 59), S. 49, S. 133.
  7. Insti­tut­srat­spro­tokoll, 29.10.1970, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Ham­burg; Deren Ein­schätzun­gen mussten hier berück­sichtig wer­den, da der eigene Fach­bere­ich dazu verpflichtet war, u. a. Lehrauf­gaben mit den anderen Fach­bere­ichen der Fakultät abzus­tim­men. Da die his­torischen Quel­len­doku­mente aus dem Fach­bere­ich jedoch zum heuti­gen Zeit­punkt lei­der nicht mehr voll­ständig zur Ver­fü­gung ste­hen, kon­nte nicht gek­lärt wer­den, um welche Bedenken es sich dabei han­delte: Hans Peter Ipsen und Eber­hard Gra­b­itz (Hrsg.), Das Ham­burg­er Uni­ver­sitäts­ge­setz. Sem­i­nar­refer­ate und Diskus­sio­nen Geset­zes­text, Ham­burg 1970 (Ham­burg­er Abhand­lun­gen aus dem Sem­i­nar für öffentlich­es Recht, 59), S. 132.
  8. Der Akademis­che Sen­at ste­ht hier­ar­chisch über den Fach­bere­ichen, weshalb er deren Beschlüsse und Maß­nah­men aufheben und erset­zen kann. Er „entschei­det in allen […] akademis­chen Angele­gen­heit­en von grund­sät­zlich­er Bedeu­tung“. Die Entschei­dungs­find­ung kann dabei in Auss­chüsse aus­gegliedert wer­den. Für die Durch­führung der Stu­di­en­gang­steilung muss also auch der Akademis­che Sen­at seine Ein­willi­gung geben, aus Hans Peter Ipsen und Eber­hard Gra­b­itz (Hrsg.), Das Ham­burg­er Uni­ver­sitäts­ge­setz. Sem­i­nar­refer­ate und Diskus­sio­nen Geset­zes­text, Ham­burg 1970 (Ham­burg­er Abhand­lun­gen aus dem Sem­i­nar für öffentlich­es Recht, 59), S. 127–128.
  9. Insti­tut­srat­spro­tokoll, 16.1.1974, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Ham­burg. Die Doku­mente dieses Auss­chuss­es waren zum Zeit­punkt des Ver­fassens des vor­liegen­den Textes im entsprechen­den Archiv nicht ver­füg­bar, weshalb die Gründe und Argu­mente für die Ablehnung lei­der ungek­lärt sind.
  10. Insti­tut­srat­spro­tokoll, 16.1.1974, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  11. Insti­tut­srat­spro­tokoll, 2.12.1974, in: Insti­tut­srat vom: 27.1.1970 bis: 5.4.1988, Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  12. Uni­ver­sität Ham­burg, Stu­di­en­führer, Ham­burg 1967, S. 163–164.
  13. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Som­merse­mes­ter 1966 bis Win­terse­mes­ter 1968/69, Uni­ver­sität Ham­burg 1966–1968.
  14. Vor­läu­fige Ord­nung für die Teil­nahme an Sem­i­naren, 18.10.1966, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  15. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Som­merse­mes­ter 1966 bis Win­terse­mes­ter 1968/69, Uni­ver­sität Ham­burg 1966–1968.
  16. Vor­läu­fige Ord­nung für die Teil­nahme an Sem­i­naren, 18.10.1966, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  17. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Som­merse­mes­ter 1967 bis Som­merse­mes­ter 1968, Uni­ver­sität Ham­burg 1967–1968.
  18. Uni­ver­sität Ham­burg, Stu­di­en­führer, Ham­burg 1967, S. 163–164.
  19. Vor­läu­fige Ord­nung für die Teil­nahme an Sem­i­naren, 18.10.1966, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  20. Stu­dienord­nungsen­twurf, 10.7.1070 mit Ergänzun­gen vom 10.12.1970, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  21. Stu­dienord­nungsen­twurf, 10.7.1070 mit Ergänzun­gen vom 10.12.1970, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Ham­burg; [o.T.], 5.1973, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  22. Stu­dienord­nung, 9.7.1975, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  23. Stu­dienord­nung, 9.7.1975, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  24. Stu­dienord­nung, 9.7.1975, in: 15 Stu­di­en­re­form Stu­dienord­nung Mg., Insti­tut­sarchiv Sys­tem­a­tis­che und His­torische Musik­wis­senschaft, Uni­ver­sität Hamburg.
  25. Erstellt auf Basis der Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Som­merse­mes­ter 1959 bis Som­merse­mes­ter 1982, Uni­ver­sität Ham­burg 1959–1982.
  26. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1954, Uni­ver­sität Ham­burg 1954.
  27. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1954, Uni­ver­sität Ham­burg 1954.
  28. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1955, Uni­ver­sität Ham­burg 1955.
  29. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1955, Uni­ver­sität Ham­burg 1955.
  30. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1965, Uni­ver­sität Ham­burg 1965.
  31. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Win­terse­mes­ter 1962/63, Uni­ver­sität Ham­burg 1962.
  32. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1966, Uni­ver­sität Ham­burg 1966.
  33. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Win­terse­mes­ter 1965/66, Uni­ver­sität Ham­burg 1965.
  34. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1967, Uni­ver­sität Ham­burg 1967.
  35. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1960 bis Win­terse­mes­ter 1963/64, Uni­ver­sität Ham­burg 1960–1963.
  36. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1962, Uni­ver­sität Ham­burg 1962.
  37. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Som­merse­mes­ter 1963 bis Win­terse­mes­ter 1969/70, Uni­ver­sität Ham­burg 1963–1969.
  38. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Win­terse­mes­ter 1971/72, Uni­ver­sität Ham­burg 1971.
  39. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1975, Uni­ver­sität Ham­burg 1975.
  40. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nis Som­merse­mes­ter 1975 bis Som­merse­mes­ter 1982, Uni­ver­sität Ham­burg 1975–1982.
  41. Per­son­al- und Vor­lesungsverze­ich­nisse Win­terse­mes­ter 1980/81 bis Som­merse­mes­ter 1982, Uni­ver­sität Ham­burg 1980–1982.