Die Etablierung eines neuen Forschungszweiges: Wilhelm Heinitz’ ‚Biomusikologie‘ in der disziplinären Öffentlichkeit

Von Jana Kummer

Lebenslauf Wil­helm Heinitz
Abbil­dung 1: Wil­helm Heinitz, aus: Ethno­graph­ic Sound Record­ings Archive, Insti­tut für Sys­tem­a­tis­che Musikwissenschaft

Wil­helm Heinitz war von 1915 bis 1948 am Kolo­nialin­sti­tut (s. Beitrag zu „Anfänge der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft“) und der Uni­ver­sität in Ham­burg angestellt (s. Lebenslauf). Während sein­er akademis­chen Lauf­bahn vom wis­senschaftlichen Hil­f­sar­beit­er zum Pro­fes­sor unter­nahm er vielfältige Ver­suche, Ham­burg als einen ‚Stan­dort‘ für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft zu etablieren. In diesem Rah­men entwick­elte er seine soge­nan­nte ‚Bio­musikolo­gie‘, die er in der diszi­plinären Öffentlichkeit auf hart­näck­ige und mitunter prä­ten­tiöse Art und Weise vertrat.1 Anhand aus­gewählter Pub­lika­tio­nen sowie Kon­gress­beiträge soll im Fol­gen­den skizziert wer­den, wie Heinitz seine Forschun­gen in der Musik­wis­senschaft zu etablieren suchte.

Heinitz Biomusikologie als Teil der Vergleichenden Musikwissenschaft

Bere­its 1915 war Heinitz – zunächst noch ohne akademis­chem Abschluss – mit den Forschun­gen der damals bekan­ntesten Vertreter der deutschen Ver­gle­ichen­den Musik­wis­senschaft in Kon­takt gekom­men: jenen von Prof. Dr. Carl Stumpf und Dr. Erich M. von Horn­bostel. Spätestens seit 1918 bestand auch per­sön­lich­er Kon­takt.2 So griff er in den ersten Jahren sein­er Anstel­lung auch auf deren Meth­o­d­en zurück, z. B. auf Ton­höhen­mes­sun­gen nach dem Tonome­ter oder auf den Tran­skrip­tion­s­stan­dard nach Horn­bostel und Dr. Otto Abra­ham.3 Nach sein­er Dis­ser­ta­tion im Fach Psy­cholo­gie bei Prof. Dr. Götz Mar­tius in Kiel 19204 entwick­elte er allmäh­lich eigene Meth­o­d­en und The­sen, die er unter dem Begriff ‚Bio­musikolo­gie‘ zusam­men­fasste und für die er eine spez­i­fis­che, der Phonetik entlehnte Ter­mi­nolo­gie anwandte.5 Diese ist gekennze­ich­net durch die Prämisse, dass Musik zuallererst Bewe­gung sei und dass es biol­o­gisch notwendi­ge Eige­narten gäbe, wie sich ein Men­sch musikalisch artikuliert (s. Abb. 2). Angelehnt an die soge­nan­nte ‚Rutzsche Typen­lehre‘6 suchte er selb­st nach biol­o­gisch typ­is­chen musikalis­chen Aus­drucksmerk­malen von Indi­viduen, Völk­ern oder „Rassen“.7 Sein empirisch-induk­tives Vorge­hen mit dem Ziel, uni­verselle Geset­ze aufzustellen, war charak­ter­is­tisch für die gesamte Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts, wurde jedoch zuweilen auch eben dort prob­lema­tisiert.8 Die stetige Beto­nung der all­ge­meinen Zuver­läs­sigkeit und Aus­sagekraft der Ergeb­nisse „exak­ter natur­wis­senschaftlich­er“ Meth­o­d­en und „plan­mäßiger Exper­i­mente“ diente Heinitz auch als Legit­imierungsstrate­gie für seine noch nicht etablierten Meth­o­d­en.9

Abbil­dung 2: End­be­we­gungsphasen eines 2. Tak­tschlages (3/4‑Takt) unter­schiedlich­er Werke, aus: Vox 21/1 (1935) , S. 71
Disziplinäre Resonanz: Heinitz’ Publikationen im Licht seiner Rezensenten

Schon im Jahr sein­er Anstel­lung als wis­senschaftlich­er Hil­f­sar­beit­er am Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um begann Heinitz in wis­senschaftlichen Zeitschriften zu pub­lizieren.10 Bis zu ihrer Ein­stel­lung 1936 veröf­fentliche er regelmäßig Artikel in der vom Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um her­aus­gegebe­nen Zeitschrift Vox, die sich als Zeitschrift für exper­i­mentelle Phonetik ver­stand. Nach sein­er Dis­ser­ta­tion veröf­fentlichte er außer­dem zunehmend in musik­wis­senschaftlichen Fachzeitschriften.11

Seine Pub­lika­tio­nen wur­den äußerst ambiva­lent beurteilt. Exem­plar­isch lässt sich dies an der Res­o­nanz, die seine Habil­i­ta­tion­ss­chrift her­vor­rief, ver­an­schaulichen. Während Prof. Dr. Robert Lach Heinitz’ Habil­i­ta­tion­ss­chrift Struk­tur­prob­leme in prim­i­tiv­er Musik als „ein Muster­beispiel echter deutsch­er wis­senschaftlich­er Akri­bie und Solid­ität“ und „ein förm­lich­es Kom­pendi­um der ver­gle­ichend-musik­wis­senschaftlichen Arbeit­stech­nik und ‑meth­ode“ beurteilte,12 kri­tisierte Dr. Georg Her­zog, zunächst Assis­tent von Stumpf und Horn­bostel und später Schüler Prof. Dr. Franz Boas’, einen Man­gel an geschichtlich­er Per­spek­tive und kul­turellem Set­ting. Er beurteilte fern­er die Methodik als dem kom­plex­en Gegen­stand nicht angemesse­nen und unaus­gereift.13 Horn­bostel selb­st hat­te sein­erzeit die Meth­o­d­en in Heinitz’ erstem Habil­i­ta­tion­sen­twurf (1924) eben­falls als zu sta­tis­tisch und zu unergiebig kri­tisiert.14

In einem recht kurz gehal­te­nen Nachruf beschrieb Prof. Dr. Walther Vet­ter, der von 1929 bis 1934 eben­falls in Ham­burg Lehrbeauf­tragter war, Heinitz als „sich rast­los mühen­den Forsch­er“, als „prob­lema­tis­chen Charak­ter“. Ander­er­seits hielt er ihm zugute, sich bewusst nicht abgekapselt zu haben.15

Heinitz’ Biomusikologie im „Dritten Reich“

1934 wurde am Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um die Forschungsabteilung für Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft gegrün­det, deren erster und einziger Leit­er Heinitz blieb.16 In Berlin waren Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaftler wie Horn­bostel, Dr. Curt Sachs und Dr. Robert Lach­mann schon als Juden oder soge­nan­nte „Hal­b­ju­den“ von den Nation­al­sozial­is­ten ent­lassen und emi­gri­ert. Heinitz’ Posi­tion im nation­al­sozial­is­tis­chen Deutsch­land war von Ambivalen­zen geprägt. Zum einen lässt sich fest­stellen, dass er ab 1938 ver­mehrt zum The­ma Musik und Rasse pub­lizierte.17 Auf­grund sein­er biol­o­gis­chen Per­spek­tive, sein­er an Rutz und Siev­ers ori­en­tierten Typen­lehre und seines Uni­ver­sal­ität­sanspruchs hat­te seine Forschung dur­chaus eine Schnittmenge mit der NS-Rassenide­olo­gie. Schon 1928 betonte Heinitz die große Bedeu­tung der Völk­erpsy­cholo­gie, die jedoch biol­o­gisch fundiert wer­den müsse, um „in die biol­o­gis­che Notwendigkeit eines bes­timmten musikalis­chen Fall­es ein­drin­gen zu kön­nen“.18 Zum anderen wurde er vom Regime als ide­ol­o­gisch nicht ein­wand­frei beurteilt. Beispiel­sweise wurde ihm seine kurze, aber erst nach Jan­u­ar 1933 been­dete Mit­glied­schaft in der Johan­nis­loge bis 1945 immer wieder ange­lastet.19 Zudem pro­movierte er 1938 den pol­nis­chen Juden Rafael Broches,20 der noch im sel­ben Jahr deportiert und ver­mut­lich 1941 im KZ ermordet wurde.21

Universalitätsanspruch und Konflikte: Heinitz’ Kongressteilnahmen

Obgle­ich Heinitz selb­st nie einen Kongress in Ham­burg aus­gerichtet hat, nahm er an ein­er Vielzahl von Kon­gressen teil. Die diversen Kon­gressteil­nah­men zeu­gen von seinen regen Unternehmungen, seine Forschun­gen in der Diszi­plin und darüber hin­aus bekan­nt zu machen. Er besuchte sowohl Kon­gresse mit musikgeschichtlichen The­men­schw­er­punk­ten, als auch all­ge­mein musik­wis­senschaftliche, phonetis­che und anthro­pol­o­gis­che.22 Zwei Beispiele ver­an­schaulichen sein engagiertes wie stre­it­bares Auftreten.

Im März 1932 nahm Heinitz am Kairoer Kongress für ara­bis­che Musik teil. Unter der Schirmherrschaft von König Fuad I. wurde auf dem inter­na­tionalen Kongress zwei Wochen lang in ver­schiede­nen Sek­tio­nen über Geschichte und Gegen­wart der ara­bis­chen Musik disku­tiert. Neben ein­er Vielzahl von ara­bis­chen Gelehrten, Kom­pon­is­ten und Poet­en waren auch mehrere europäis­che Musik­wis­senschaftler zu dem Kongress ein­ge­laden, „in order to dis­cuss all that was required to make the music civ­i­lized, and to teach it and rebuild it on acknowl­edged sci­en­tif­ic prin­ci­ples“, wie es im Kon­gress­bericht heißt.23 Neben Sachs, der auch an der Organ­i­sa­tion beteiligt war, nah­men auch Hornbostel, Lach­mann, Prof. Dr. Johannes Wolf und Paul Hin­demith teil. Par­tizip­iert hat Heinitz zum einen an der „Sek­tion für Musikin­stru­mente“, zum anderen an der „Sek­tion für Auf­nah­mean­gele­gen­heit­en“, welche einzelne Stücke der angereis­ten Ensem­bles auswählte, um von ihnen Tonauf­nah­men anzufer­ti­gen. Ein Ergeb­nis dieser Arbeit ist die nahezu voll­ständi­ge Samm­lung der Tonauf­nah­men des Kon­gress­es, die nachträglich an die Forschungsabteilung gesandt wur­den und auch heute noch im Insti­tut zugänglich sind (s. Beitrag zur „Samm­lung ethno­graphis­ch­er Ton­träger“). In der Diskus­sion trat Heinitz zusät­zlich für eine filmis­che Doku­men­ta­tion der Auf­führun­gen ein, die jedoch nicht real­isiert wurde.24 Diese hät­ten auch sein­er angestrebten bio­musikol­o­gis­chen Unter­suchung genutzt, zu der er jedoch im Nach­hinein nichts veröf­fentlichte – let­z­tendlich erschienen aus der Fed­er Heinitz’ lediglich kurze Kon­gress­berichte.25

Nicht zulet­zt zeigte sich Heinitz’ kon­flik­tre­iche Posi­tion inner­halb der Diszi­plin auf dem ersten inter­na­tionalen Kongress der Gesellschaft für Musik­forschung 1950 in Lüneb­urg. Mit Prof. Dr. Friedrich Blume und Prof. Dr. Hans Engel waren zwei sein­er schärf­sten Kri­tik­er an der Organ­i­sa­tion beteiligt.26 Heinitz referierte über die „biol­o­gis­chen Grund­la­gen der musikalis­chen Werkkunde“.27 Engel, der Heinitz’ Homogen­ität­slehre laut einem anony­men Bericht im Spiegel schon zwei Jahre zuvor ver­ris­sen hat­te, sprach in ein­er hitzi­gen Diskus­sion von „bedauer­lich­er Unwis­senschaftlichkeit“ der aufgestell­ten The­sen und einem Affront gegenüber aus­ländis­ch­er Kol­le­gen.28 Der Abdruck seines Refer­ats im Kon­gress­bericht wurde von der Redak­tion wegen anti­semi­tis­ch­er Ten­den­zen abgelehnt, woge­gen Heinitz erwog, gerichtlich vorzuge­hen.29 In einem offe­nen Brief an die „musik­wis­senschaftliche Kol­le­gen­schaft“ recht­fer­tigte Heinitz seine referierten Meth­o­d­en, aus denen sich „unter Umstän­den (wie hier) ein Bild der Rein­heit ras­sis­ch­er Typolo­gie ergibt, wie es bei dem unendlichen Durcheinan­der und der vielfachen Ver­wässerung ander­er, z. T. ide­ol­o­gisch erdichteten und ten­den­z­iös fehlbe­w­erteten Rasseeigen­schaften (auch in dem weit­en Gebi­et der Ver­gle­ichen­den Mw.) wohl nur sel­ten gefun­den wer­den dürfte.“30

***

Trotz der regen und inten­siv­en Bemühun­gen gelang es Heinitz kaum, seine ‚Bio­musikolo­gie‘ in der Musik­wis­senschaft zu etablieren. Der Forschungs­bere­ich Musik und Bewe­gung hat heute in der Musik­wis­senschaft dur­chaus eine große Rel­e­vanz erlangt, eben­so wie Per­for­mance-fokussierte Analy­sen von Musik.31 Diese Forschung find­et jedoch größ­ten­teils unter gän­zlich anderen Prämis­sen als denen von Heinitz statt. Sein Ein­fluss auf das musik­wis­senschaftliche Insti­tut ist eher struk­tureller Art: Durch seine Forschung und Lehre etabli­erte Heinitz den Forschungs­bere­ich der Ver­gle­ichen­den Musik­wis­senschaft, der durch Prof. Dr. Hein­rich Hus­mann, der 1949 die Leitung des musik­wissenschaftlichen Insti­tuts über­nahm, mit anderen Schw­er­punk­ten method­isch wie the­ma­tisch erweit­ert fort­ge­führt wurde.32

Zurück zum Inhaltsverze­ich­nis Öffentlichkeit­en der Musikwissenschaft

  1. Neben seinen akademis­chen Tätigkeit­en wandte er sich in vielfältiger Form an eine nicht akademis­che Öffentlichkeit, in Form von Rund­funksendun­gen, Volk­shochschulkursen, Führun­gen und Vorträ­gen, vgl. u. a. Wil­helm Heinitz, Kol­leghefte für die musik­the­o­retis­chen Kurse an der Volk­shochschule Ham­burg, Ham­burg 1928; Kor­re­spon­denz Wil­helm Heinitz mit ver­schiede­nen Sendeanstal­ten bzgl. Rund­funksendun­gen, in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHE), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 36; Auflis­tung sein­er außer-akademis­chen Tätigkeit­en in einem Brief an den Dekan der philosophis­chen Fakultät Franz Ter­mer, 21.11.1946, in: Errich­tung ein­er Forschungsabteilung für ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft, Staat­sarchiv Ham­burg, 361–5 II_A d 56.
  2. Vgl. Ein­stel­lungsantrag Heinitz, Carl Mein­hof an Ober­schul­be­hörde, 22.7.1916, in: Per­son­alak­te Heinitz, Pro­fes­sor Dr. Wil­helm, Bd. 3: Beschäf­ti­gung als wis­senschaftlich­er Rat, Staat­sarchiv Ham­burg, 361–6 I 0212 und Bericht über eine Reise nach Berlin zwecks Besich­ti­gung der Inter­feren­zein­rich­tung zur Analyse und Syn­these von Sprach­laut­en bei Carl Stumpf in einem Brief Wil­helm Heinitz an die Ober­schul­be­hörde, 7.6.1918, in: Per­sonalak­te Heinitz, Pro­fes­sor Dr. Wil­helm, Bd. 4: Beurlaubun­gen, Erkrankun­gen, Dien­streisen, Staat­sarchiv Ham­burg, 361–6 I 0212.
  3. Vgl. u. a. Wil­helm Heinitz, „Musikin­stru­mente des Ost-Mba­lan­des“, in: Im Hochland von Mit­tel-Kamerun 3. Teil: Beiträge zur Völk­erkunde des Ost-Mbam­lan­des, hrsg. von Franz und Marie Pauline Thor­becke, Ham­burg 1919 (Abhand­lun­gen des ham­bur­gis­chen Kolo­nialin­sti­tuts, 41), S. 120–178.
  4. Wil­helm Heinitz, Wie lassen sich exper­i­men­tal-phonetis­che Meth­o­d­en auf die psy­chol­o­gis­che Zer­gliederung gesproch­en­er Satze anwen­den?, Kiel 1920. Mar­tius war exper­i­menteller Psy­chologe, arbeit­ete auch im Bere­ich der akustis­chen und der optis­chen Wahrnehmung und unter­suchte dessen psy­cho-physis­che Vorgänge.
  5. Z. B. ver­wen­dete er Begriffe wie Schwere, Gewicht, Druck, Stoß, Res­o­nanz, Masse, Inten­sität, Dekla­ma­tion, vgl. Wil­helm Heinitz, Struk­tur­prob­leme in prim­i­tiv­er Musik, Ham­burg 1931, S. 49.
  6. Ottmar Rutz, Jurist, führte die von seinem Vater Joseph Rutz entwick­elte Typolo­gie der men­schlichen Stimme fort, vgl. u. a. Ottmar Rutz, Men­schheit­stypen und Kun­st, Jena 1921 und ders., Vom Aus­druck des Men­schen, Celle 1925.
  7. Der Bezug zu Ottmar Rutz ist deut­lich nachzu­vol­lziehen in: Wil­helm Heinitz, „Was kann die ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft zur Indoger­ma­nen­frage beitra­gen?“, in: Ger­ma­nen und Indoger­ma­nen. Volk­s­tum, Sprache, Heimat, Kul­tur, Bd. 1: Ergeb­nisse der Kul­turhis­to­rie und Anthro­polo­gie, hrsg. von Hel­mut Arntz, Hei­del­berg 1936. Zu Urhe­ber­schaft und Inter­pre­ta­tion vgl. Wil­helm Heinitz, Neue Wege der Volksmusik­forschung, Ham­burg 1937, S. 45–46. Zu völkischen und ras­sis­chen Merk­malen vgl. u. a. Wil­helm Heinitz, Son­der­ab­druck aus „Ras­sis­che Merk­male an afrikanis­chem Musikgut“, Zeitschrift für Rassenkunde 7/1 (1941), S. 10: „Jed­er Men­sch hat bekan­ntlich seinen per­sön­lichen, darüber hin­aus aber auch völkischen und ras­sis­chen Rhyth­mus, wie er auch die ihm ange­borene (und wahrschein­lich vererb­bare) Eige­nart hat, alle seine Bewe­gun­gen entwed­er in der Form von Druck‑, Stoß‑, Zug- oder Rißbe­we­gun­gen […] auszuführen“.
  8. Vgl. Erich M. von Horn­bostel, „Die Prob­leme der ver­gle­ichen­den Musik­wis­senschaft“, in: Horn­bostel Opera Omnia, Bd. 1, hrsg. von Klaus P. Wachs­mann, Dieter Chris­tensen und Hans-Peter Rei­necke, Den Haag 1975, S. 247–270 und Erich M. von Horn­bostel, „Carl Stumpf und die ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft“, in: Zeitschrift für Musik­wis­senschaft 1/3 (1933), S. 25–27.
  9. Vgl. u. a. Wil­helm Heinitz, „Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft“, in: Zeitschrift für Musik 92/7–8 (1925), S. 437.
  10. Vgl. Wil­helm Heinitz, „Werk-Verze­ich­nis der in den Jahren 1915–1959 veröf­fentlicht­en wis­senschaftlichen und lit­er­arischen Arbeit­en“, Son­der­druck aus dem Mit­teilungs­blatt des LTM 8/3 (1959).
  11. Z. B. in: Zeitschrift für Musik­wis­senschaft, Archiv für Musik­wis­senschaft, Zeitschrift für Musik, Neue Musik-Zeitung, Die Musik, vgl. Wil­helm Heinitz, „Werk-Verze­ich­nis der in den Jahren 1915–1959 veröf­fentlicht­en wis­senschaftlichen und lit­er­arischen Arbeit­en“, Son­der­druck aus dem Mit­teilungs­blatt des LTM 8/3 (1959).
  12. Robert Lach, Rezen­sion „Wil­helm Heinitz, Struk­tur­prob­leme in prim­i­tiv­er Musik“, in: Vox. Mit­teilun­gen aus dem Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um der Uni­ver­sität Ham­burg 17/2 (1931), S. 73.
  13. Georg Her­zog, Rezen­sion „Struk­tur­prob­leme in prim­i­tiv­er Musik. Wil­helm Heinitz“, in: The Jour­nal of Amer­i­can Folk­lore 46/179 (1933), S. 93–95.
  14. An der Meth­ode wider­strebt mir zweier­lei: 1) das Sta­tis­tis­che, das immer wesentliche Eigen­tüm­lichkeit­en ver­wis­cht […] (Durch­schnittspho­togra­phien!). 2) Die Zer­stück­elung von ein­heitlichen Ganzen (Melo­di­en), die zur Folge hat, dass das Unter­suchung­sob­jekt voll­ständig verän­dert wird und die Eigen­schaften der Stücke für die Eigen­schaften des Ganzen völ­lig nichtssagend sind.“ Brief Erich M. von Horn­bostel an Wil­helm Heinitz, 29.1.1924, in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHe), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 3.
  15. Walther Vet­ter, „Dem Gedenken an Wil­helm Heinitz“, in: Die Musik­forschung 16/4 (1963), S. 313–315.
  16. Vgl. Errich­tung ein­er Forschungsabteilung für ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft, Staat­sarchiv Ham­burg, 361–5 II_A d 56.
  17. Vgl. u. a. Wil­helm Heinitz, „Ras­sis­che Merk­male an afrikanis­chem Musikgut“, Zeitschrift für Rassenkunde 7/1 (1941), Stuttgart 1941, S. 19: „Es hat sich gezeigt, dass die ‚Hebigkeit‘ zweifel­los ein funk­tionelles Merk­mal zur Mitbes­tim­mung von ras­sis­chen Grup­pierun­gen darstellt und dass sich aus musikalis­chen Gestal­tun­gen mit Hil­fe der ‚Phys­i­ol­o­gis­chen Res­o­nanz‘ nicht nur Personal‑, son­dern auch ras­sis­che Kon­stan­ten im obi­gen Sinne aufdeck­en lassen“. Zum The­ma Musik und Rasse vgl. außer­dem Wil­helm Heinitz, „‚Musik des Nor­dens‘ oder ‚Nordis­che Musik‘?“, in: Der Nor­den 15/8 (1938), S. 271–278; Wil­helm Heinitz, Die Erforschung ras­sis­ch­er Merk­male aus der Volksmusik, Ham­burg 1938.
  18. Wil­helm Heinitz, „Die Ver­gle­ichende Musik­wis­senschaft im Dien­ste der Völk­erkunde“, in: Bericht über die all­ge­meine Ver­samm­lung der Deutschen Anthro­pol­o­gis­chen Gesellschaft in Ham­burg 1928, hrsg. von der Deutschen Anthro­pol­o­gis­chen Gesellschaft, Ham­burg 1929, S. 21–22.
  19. Die Mit­glied­schaft in der Loge und die ihm dadurch nicht gewährte jährliche Zulage von 1.000 RM ist als Entschädi­gungs­grund im „Wiedergut­machungs­bescheid“ durch den Sen­at angegeben, laut dem er nach BWGöD Anspruch auf Entschädi­gung hat­te, siehe „Wiedergut­machungs­bescheid“ vom 19.8.1957, in: Per­son­alak­te Heinitz, Pro­fes­sor Dr. Wil­helm, Bd. 2: Ver­sorgung und Wiedergut­machung, Staat­sarchiv Ham­burg, 361–6_I 0212. Vgl. dazu auch Jörg Rothkamm, „Neuan­fang im Geiste Gui­do Adlers? Die Ent­naz­i­fizierung der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft und der Ein­fluss Hein­rich Hus­man­ns bis heute“, in: Musik­wis­senschaft und Ver­gan­gen­heit­spoli­tik. Forschung und Lehre im frühen Nachkriegs­deutsch­land, hrsg. von Jörg Rothkamm und Thomas Schip­perges, München 2015, S. 70. Im Bescheid des Amtes für Wiedergut­machung wurde der Antrag auf Entschädi­gung nach dem BEG jedoch abgelehnt, siehe „Bescheid“, 19.3.1958, in: Heinitz, Wil­helm, Prof. Dr. (19561958), Staat­sarchiv Ham­burg, 351–11_6958.
  20. Titel der Dis­ser­ta­tion: Die Kor­re­la­tion von Musik und Bewe­gung und das Prob­lem der geigerischen Nachgestal­tung. Zum „Fall Broches“ vgl. Peter Petersen, „Musik­wis­senschaft in Ham­burg 1933 bis 1945“, in: Hochschu­lall­t­ag im „Drit­ten Reich“. Die Ham­burg­er Uni­ver­sität 19331945, Bd. 2, hrsg. von Eckart Krause, Lud­wig Huber und Hol­ger Fis­ch­er, Berlin/Hamburg 1991, S. 634.
  21. Vgl. Bar­bara Müller-Wese­mann und Sophie Fet­thauer, Art. „Rafael Broches“, in: Lexikon ver­fol­gter Musik­er und Musik­erin­nen der NS-Zeit, hrsg. von Clau­dia Mau­r­er Zenck, Peter Petersen und Sophie Fet­thauer, Ham­burg 2015, http://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00002396, abgerufen am 24.1.2017.
  22. U. a. nahm er teil am musik­wis­senschaftlichen Kongress im Rah­men des Hän­delfestes 1959 in Halle, den inter­na­tionalen Kongress für Phonetik in Gent 1938 und die Ver­samm­lung der anthro­pol­o­gis­chen Gesellschaft in Ham­burg 1928, vgl. Werkverze­ich­nis Wil­helm Heinitz, „Werk-Verze­ich­nis der in den Jahren 1915–1959 veröf­fentlicht­en wis­senschaftlichen und lit­er­arischen Arbeit­en“, Son­der­druck aus dem Mit­teilungs­blatt des LTM 8/3 (1959).
  23. Kon­gress­bericht zitiert nach Ali Jihad Racy, „His­tor­i­cal World­views of ear­ly Eth­no­mu­si­col­o­gists: An East-West Encounter in Cairo, 1932“, in: Eth­no­mu­si­col­o­gy and Mod­ern Music His­to­ry, hrsg. von Steven Blum, Philip Bohlman und Daniel Neu­mann, Illi­nois 1991, S. 69.
  24. Bericht über den Kongress von Wil­helm Heinitz, [o. D.], in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHe), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 47.
  25. Vgl. u. a. Wil­helm Hein­tiz, „Aegyptens Dank an Ham­burgs Uni­ver­sität“, in: Ham­burg­er Tage­blatt, 25.5.1934; Wil­helm Heinitz, „Bericht über den Kon­greß für Ara­bis­che Musik vom 14. März bis zum 3. April 1932“, in: Vox. Mit­teilun­gen aus dem Phonetis­chen Lab­o­ra­to­ri­um der Uni­ver­sität Ham­burg, 18/1–2 (1932), S. 19–20.
  26. Zum Kon­flikt mit Friedrich Blume vgl. Peter Petersen, „Musik­wis­senschaft in Ham­burg 1933 bis 1945“, in: Hochschu­lall­t­ag im „Drit­ten Reich“. Die Ham­burg­er Uni­ver­sität 19331945, Bd. 2, hrsg. von Eckart Krause, Lud­wig Huber und Hol­ger Fis­ch­er, Berlin/Hamburg 1991, S. 635–636.
  27. Inhalt des Refer­ats war seine an Rutz und Siev­ers ori­en­tierte Typen­lehre, die er hier an einem Beispiel exem­pli­fizierte, das für Entrüs­tung sorgte: Er pos­tulierte ein „wohlmöglich­es biol­o­gis­ches Type­nge­setz ein­er melo-dynamis­chen Akzen­tko­r­re­la­tion“ in jüdis­ch­er Musik gefun­den zu haben, das sich in der „Kor­re­la­tion vom fün­ftem Aufriss-Akzent mit dem ersten Auftreten des höch­sten oder tief­sten Inter­vall­gipfels“ zeigte. Zu dieser schon 1935 ent­deck­ten Kor­re­la­tion habe er jedoch damals nichts veröf­fentlicht, um „miss­bräuch­lichen Inter­pre­ta­tio­nen vorzubeu­gen“. Wil­helm Heinitz, „Biol­o­gis­che Grund­la­gen der musikalis­chen Werkkunde“, in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHe), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 11. Das zitierte Manuskript entspricht eventuell nicht exakt dem in Lüneb­urg gehal­te­nen Refer­at, da es aus Protest bzgl. der Nich­tauf­nahme seines Refer­ats in den Kon­gress­bericht pri­vat und nachträglich von ihm gedruckt wurde.
  28. [o. V.], „Die Brust aufgeschlitzt“, in: Spiegel, 27.7.1950, S. 36–37, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d‑44449659.html, abgerufen am 24.1.2017.
  29. Brief Wil­helm Heinitz an Friedrich Blume, [o. D.], in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHe), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 20.
  30. Brief Wil­hem Heinitz an die musik­wis­senschaftliche Kol­le­gen­schaft, „Bet­rifft: Refer­at ‚Musik­bi­ol­o­gis­che Grund­la­gen der musikalis­chen Werkkunde‘, gehal­ten auf dem Kon­gr. Lüneb­urg 1950“, April 1952, in: Nach­lass Wil­helm Heinitz (NWHe), Staats- und Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Ham­burg, Archivkas­ten 13.
  31. Vgl. hierzu u. a. Jes­per Hoha­gen und Clemens Wöll­ner, „Move­ment soni­fi­ca­tion of musi­cal ges­tures: Inves­ti­gat­ing per­cep­tu­al process­es under­ly­ing musi­cal per­for­mance move­ments“, in: Pro­ceed­ings of the 13 th Sound & Music Com­put­ing Con­fer­ence (SMC), hrsg. von Rolf Groß­mann und Georg Haj­du, Ham­burg 2016, S. 222–226; Clemens Wöll­ner und Jes­per Hoha­gen, „Ges­tur­al qual­i­ties in music and out­ward bod­i­ly respons­es“, in: Body, Sound, and Space in Music and Beyond. Mul­ti­modal Explo­rations, hrsg. von Clemens Wöll­ner, Farn­ham [im Druck]; Nico­las Cook, Beyond the Score. Music as Per­for­mance, New York 2013.
  32. Zur Aus­rich­tung von Hus­man­ns musik­wis­senschaftlich­er Forschung und Lehre in Ham­burg vgl. beson­ders Jörg Rothkamm, „Neuan­fang im Geiste Gui­do Adlers? Die Ent­naz­i­fizierung der Ham­burg­er Musik­wis­senschaft und der Ein­fluss Hein­rich Hus­man­ns bis heute.“, in: Musik­wis­senschaft und Ver­gan­gen­heit­spoli­tik. Forschung und Lehre im frühen Nachkriegs­deutsch­land, hrsg. von Jörg Rothkamm und Thomas Schip­perges, München 2015, S. 63–122.